Mai 2015 Großbritannien

Tour durch Großbritannien

 

Donnerstag, 30. April 2015

"Kurz vor der Abfahrt"

Die Ape ist gepackt, technisch alles noch mal durchgecheckt, die Tour beginnt in ein paar Stunden. Damit ich auch genug Geld für Benzin habe, hat mein Arbeitgeber beschlossen, dass ich vor Antritt der Fahrt noch ein bisschen Geld verdienen sollte, was ja auch nicht schlimm ist. Pflicht ist Pflicht und wenn die Pflicht auch noch Spaß macht, dann tut man es gern. So fahre ich um 20.00 Uhr zum Dienst mit der Gewissheit dass, wenn nichts Besonderes passieren wird, ich pünktlich um 04:00 Uhr in Richtung Großbritannien fahren werde.

Diese Fahrt ist für mich persönlich schon im Vorfeld die aufregendste und ich muss mich oft zusammenreißen, um nicht auszuflippen. Je näher der Tag kommt, desto aufgeregter bin ich. Was mich an Großbritannien ganz besonders interessiert ist Schottland. Mein Traum, dieses Stück Land und natürlich die Leute endlich zu sehen und kennen zu lernen, wird sich also bald erfüllen.

Bevor der Startschuss losgeht kommt aber zuerst die Pflicht. Frisch gewaschen steht sie auf dem Parkplatz der Dienststelle und scharrt schon mit den Reifen. Locker bleiben, kleines Bienchen ! Ich weiß, wie es dir geht. Ich fühle es auch...

Dass es die abwechslungsreichste aller bisher gefahrenen Touren werden wird, ahne ich hier noch nicht. Nicht nur das mir Gezeigte wird alles bisher Gesehene übertreffen, auch die Pannen werden ein Maß annehmen, dass ich am Ende der Tour froh sein werde überhaupt zu Hause angekommen zu sein. Aber, wir sind ja noch am Anfang und deshalb alles schön der Reihe nach. Am Ende hat es ja doch noch geklappt ...



Freitag, 01. Mai 2015

"Niederlande, Belgien, Dunkerque in Frankreich"


Glücklicherweise verläuft die Nacht sehr ruhig und genau um 04:00 Uhr ist Feierabend. Es geht los ! Der hoch am Himmel stehende Mond wird uns beide noch ein wenig begleiten.

Tachostand 41.031 km.



Bevor es aber so richtig losgeht, fahre ich im Hafengebiet kurz auf die Waage. Mich interessiert doch, was mein Bienchen mit dem ganzen Kram, den ich eingepackt habe, eigentlich so auf die Waage bringt.

Es sind genau 1.120 kg. Für ihre brachialen 218 Kubik und 10 PS ist das für die Ape ein Federgewicht. Es geht halt nichts über einen leistungsstarken Motor.



Die Grenze zu Niederlande ist flott erreicht. Das Tageslicht hat die Nacht abgelöst.



Es geht durch Venlo...



... und die Straßen sind noch alle leer. Holland liegt noch in den Betten und pennt, was zu dieser Uhrzeit auch nicht verwundert. Das wird sich aber bald ändern ! In Deutschland ist Feiertag. Wenn in Deutschland ein Feiertag ist, dann ist Holland deutsch. Es wird nur noch einige Stunden dauern und dann werden die gelben Kennzeichen durch weiße ersetzt werden. Holland wird dann von den ganz intelligenten Deutschen regelrecht überschwemmt werden.



Die ganz schlauen Deutschen haben dann nämlich eine super Idee. "Bei uns sind die Geschäfte geschlossen. Es ist ja Feiertag."
Der 01. Mai ist in den Niederlanden kein Feiertag, sondern ein normaler Wochentag mit geöffneten Geschäften. Was macht man also an einem deutschen Feiertag ?

"Wir fahren nach Holland !"

Ganze Karawanen mit Hunderten von deutschen Autos schieben sich dann in Richtung Holland. Familien mit plärrenden Kindern auf der Rücksitzbank, alte Rentner die an keinem anderen Tag Zeit haben nach Holland zu fahren, nur an diesem ! Es ist ein Bild zum Totlachen. Mit hochroten Köpfen sitzen sie dann in ihren Blechkisten in einem absoluten Mega-Stau und wundern sich über all die anderen die dieses Jahr auch diese tolle Idee hatten. Dass dieses Spektakel aber schon über Jahrzehnte geht, haben diese Intelligenzbolzen scheinbar vergessen. Die, die jetzt vorn im Auto sitzen und fahren haben oftmals selbst als Kind auf der Rücksitzbank gebrüllt, als deren Eltern bald wahnsinnig geworden sind in diesem Stau.

Es wird heute wieder ein riesiger Spaß für die Holländer werden und ich bin froh, dass ich einige Stunden bevor dieses Affentheater losgeht, durch Venlo fahre. Diese Wahnsinnigen werden sich bald alle auf den Weg machen - dann bin ich aber schon weit weg in Belgien...

Ich genieße also noch ein wenig die Ruhe in Holland und fahre über schöne Landstraßen immer weiter in Richtung Großbritannien.

Die Niederlande sind ein sehr schönes Land mit einer wunderschönen Landschaft, malerischen kleinen Dörfern, einer Unmenge an tollen Windmühlen. Ich habe den Gedanken mal eine Tour durch dieses Land zu machen. Es ist ja schließlich unser Nachbarland.

Die Vorurteile die Deutsche gegen Holländer und Holländer gegen Deutsche haben, das interessiert mich nicht die Bohne. Durch die Ape-Touren in einige europäische Länder kann ich sagen, dass viele Vorurteile einfach nur dummes Gerede sind, was wohl von einer Generation zur nächsten übergeben wurde. Viele, die Vorurteile anderen Ländern gegenüber haben und aussprechen, werden wohl noch nie in dem entsprechenden Land gewesen sein. Durch die Reisen mit der Ape kann ich sagen, dass sehr viele Vorurteile einfach nicht der Wahrheit entsprechen. Dadurch, dass ich grundsätzlich nur Landstraßen und manchmal sehr abgeschiedene Wege fahre, komme ich in Dörfer und kleine Städte die Urlauber auf ihren Fahrten nie zu Gesicht bekommen. Durch mein auffälliges Fahrzeug habe ich automatisch sehr schnell Kontakt zu den Menschen wenn ich irgendwo stehen bleibe und mir Interessantes anschaue. Meine Erfahrungen waren bisher immer absolut positiv. Vorurteile sind also das was das Wort schon sagt, Vor - Urteile ohne jegliche eigene Erfahrung. Ich halte es aber lieber so, dass ich mir mein Urteil selbst bilde durch Erfahrung und nicht durch Hörensagen.

Wenn ich so bedenke wo meine Ape schon überall in Europa war ! Nur zu Hause vor der eigenen Haustür, das vernachlässigt man leider zu oft. Ich sollte das ändern ... und mit den Niederlanden anfangen.



Die belgische Grenze ist auch bald erreicht.



Das Motörchen dreht seine Runden und der Weg führt mich immer weiter in Richtung der großen Insel.



Die Sonne zeigt sich, wird aber zwischendurch von kleinen Wolken verdeckt. Es bleibt aber trocken.



In Lier, das kurz vor Antwerpen liegt, ist dann endgültig Schicht im Schacht. Es ist 11 Uhr. Die Müdigkeit kommt langsam durch. Ich bin nun schon rund 30 Stunden ohne Schlaf auf den Beinen. Ich möchte noch gern weiterfahren, aber der Verstand muss den Willen übertrumpfen. Kommt ein Sekundenschlaf, kann es zu spät sein. Ein vermeidbares Risiko gehe ich nicht ein.

Die Pforte zu meiner Suite im Heck geöffnet, rauf auf die Matratze und den Wecker auf 15 Uhr stellen. Vier Stunden Schlaf müssen sein und ausreichen. Ich glaube, ich schlafe schon bevor ich mich hinlege...



Ich schlafe tief und fest und bevor der Handy-Wecker mich aus den Federn wirft, lässt mich der innere schon eine viertel Stunde eher wach werden.

Bevor ich die Fahrt jedoch fortsetze, bereite ich in meiner supermodernen Küche einen Kaffee zu.



Was mir bei der weiteren Fahrt durch Belgien auffällt, ...



... das ist die Sauberkeit. Ich hatte es anders in Erinnerung. Als ich das erste Mal hier durchfuhr, war ganz Belgien ziemlich zugemüllt. Überall war nur Chaos und Schmutz. Es war aber auch damals die Zeit, als Belgien vorübergehend ohne Regierung war. Vielleicht war es für mich die falsche Zeit dort gewesen zu sein. In welcher Situation sich die Menschen befanden als nichts mehr in ihrem Staat lief, vermag ich heute nicht zu beurteilen. Jetzt aber erstrahlt alles sauber, geordnet und blühend.



Bei meiner Abfahrt in Lier hatte ich noch 188 km bis zu meinem heutigen Zielpunkt. Dieser soll Dunkerque in Frankreich sein, von wo aus ich mit der Fähre nach Großbritannien übersetzen werde.

Durch Dörfer und Städte wie
Sint Niklaas, Gent, Astene, Pittem und Koolskamp sowie schönen Landstraßen arbeite ich mich immer weiter dem Ziel entgegen.



Kurzer Zwischenstop in Kortemark am Mc Sprit für meine Ape.




Es ist 20:45 Uhr - die französische Grenze ist erreicht.



Für mich gibt es nur noch ein Ziel für diesen Tag - Dunkerque ! Ich muss dort noch zum Terminal und mir das Ticket für die Fähre holen. Kaufe ich es 24 Stunden oder früher vor der Überfahrt, so ist dies erheblich günstiger als wenn ich es kaufen und direkt rüberschippern würde. Da ich den nächsten Tag sowieso in dieser Stadt verbringen möchte, habe ich das Ticket nicht online im Vorfeld bestellt.



Es ist schon kurz vor 22:00 Uhr, als ich endlich am Fährhafen ankomme.



Ich kaufe dort das Ticket und fahre wieder ein Stück zurück des Weges; und zwar nach St. Pol sur Mar. Dort finde ich eine gute Übernachtungsstelle. Es ist 23:20 Uhr, als ich im Bett liege. Es war ein verdammt langer Tag. Ich habe 460 Kilometer zurückgelegt.

Samstag, 02. Mai 2015

"Ein Tag in Dunkerque"

Die Nacht war gut, die Schlafstelle richtig gewählt. Ich habe super geschlafen und werde erst um 09:00 Uhr wach.



Bei diesem Bäcker möchte ich frische Croissants holen, komme aber zu spät. Nichts mehr da. Also nehme ich ein ganzes Baguette.



Nach einem richtig gemütlichen Frühstück und einer warmen Dusche geht es zurück nach Dunkerque.



Die Stadt liegt nur einige Kilometer entfernt und macht beim Durchfahren einen sehr guten Eindruck.



Ein kleiner Yachthafen ist, neben vielen anderen interessant aussehenden Dingen, auch vorhanden.



Das werde ich alles später betrachten. Zunächst möchte ich das Museum "Memorial du Souvenir" besichtigen. Es ist nur ein sehr kleines, aber wohl sehr interessantes Museum mit Gegenständen und Informationen aus dem 2. Weltkrieg. In Dunkerque waren damals wohl sehr schwere Kämpfe. Die Gegenstände, die man später fand, sind in diesem Museum ausgestellt. Die Informationen über dieses Museum klangen im Internet sehr interessant. Ein Besuch soll sich wohl lohnen.


Ich fahre also dort hin, parke die Ape direkt vor das Museum, zahle nur wenige Euro Eintritt und sehe die Hinterlassenschaft einer verblödeten und verlogenen Kriegs-Generation die nichts anderes in der Birne hatte als Hass, Wut und den Willen Menschen anderer Länder und Rassen zu ermorden. Dabei spielt die Nationalität überhaupt keine Rolle. Sie waren alle gleich dämlich.

Diese alte Generation, von denen die meisten glücklicherweise schon diese Welt verlassen haben, war in meinen Augen die dümmste die jemals existierte. Auf die heutige Jugend kann man wenigstens stolz sein. Sie leistet etwas Vernünftiges, bildet sich fort, setzt sich für den Frieden ein. Soll sie doch mit ihren Smartphones durch die Gegend laufen und am PC sitzen und spielen. Sie kommunizieren aber weltweit mit anderen Jugendlichen, was auch ein kleiner Beitrag zur Völkerverständigung ist.
Kurzum, die heutige Jugend ist die beste und intelligenteste die jemals existierte, diese alte Kriegshetzer-Generation einfach nur beschämend.




Hier nur drei Fotos aus dem Inneren des Museums. Man findet dort sehr viele Vitrinen mit allen möglichen Gegenständen, Waffen, Orden, usw.. In einem kleinen Raum gibt es Filmvorträge in englischer und französischer Sprache mit Aufnahmen der damaligen Zeit.

Das Museum mit einem sehr freundlichen Personal ist zwar klein, aber höchst informativ und stimmt zum Nachdenken an. Wer dort in der Gegend ist, ein Besuch lohnt sich.







Eine modern gehaltene Brücke führt an den Strand von Dunkerque, den ich natürlich aufsuche.





Danach geht es in die Stadt.



Die Eglise Saint Eloi.







Alte Jugend-Erinnerungen werden beim Anblick dieses Wagens hervorgerufen. So einen hatte ich auch. Lang ist es her, da war ich grad mal 19 Jahre alt. Zur damaligen Zeit war dies eine richtige Luxuskarosse französischer Machart. Phantastisches Fahrwerk, gefedert mit einer traumhaften Hydropneumatik. Die Sitze waren Sessel, komfortabel ohne Ende. Ausstattung = komplett.

Mit dem Auto war ich damals echt King. Der Erstbesitzer war ein Geschäftsmann. Ich kaufte den Wagen, als er 6 jahre alt war. Als Neuwagen kostete er damals, es war die höchste Ausstattungsvariante, ein Schweinegeld. Da dieses Auto aber einen enormen Wertverlust hatte, bekam ich es für nur ein paar Tausend D-Mark und war stolz wie Oskar.

Was habe ich da eine Arbeit investiert, damit er immer schön blinkte. Ich baute das ganze Auto damals um. Innen hatte ich eine komplett weiße Ausstattung. Etwas mit schmutzigen Fingern anfassen oder mit Schuhen einsteigen, dafür gab es die Höchststrafe ! Der Lack wurde mehrmals im Jahr auf Hochglanz poliert. Jeden Samstag verbrachte ich den ganzen Tag an meinem Auto, damit es immer wie neu da steht. Jede Ecke und jeder Winkel wurden ganz penibel geputzt.

Wegen der Hydropneumatik lag die Karosserie morgens flach am Boden. Startete ich den Motor, hob sich der Wagen an bis er normales Niveau hatte. Dabei hörte man die Pumpen arbeiten. Über Hindernisse fahren war kein Problem. Hebel umlegen und die Karosserie hob sich noch ein Stück an. Die Lenkung drehte sich, auch im Stand, automatisch allein in die Geradeausstellung zurück.

Dieses Auto hatte viel mit der Ape gemeinsam. Lieben oder hassen. Die Zuverlässigkeit entsprach einer Ape. Entweder es lief oder es lief nicht. Meist tat es das nicht. Schuld war immer irgendwie die Elektronik. Die Steckverbindungen aller Kabel, entwickelt von hoch bezahlten und sehr schlauen Citroen-Ingenieuren, entsprach eher der Leistung eines beginnenden Auszubildenden der noch von gar nichts Ahnung hat.

Manchmal war es die reinste Katastrophe. Die Stecker fielen einfach ab, auseinander oder lösten sich irgendwie ins Nichts auf. Die Folge waren immer irgendwelche elektrischen Ausfälle, dass das Auto nicht lief. Im Laufe der Zeit "verdeutschte" ich diese französische Meisterleistung was dazu führte, dass es dann immer funktionierte.

Meine damalige Freundin fuhr einen blauen Käfer mit null Ausstattung. Stimmt nicht, ein Radio war drin. Das war es dann aber auch. Schlüssel umdrehen und das Ding lief - immer ! Meine Schlüssel, die ich erst umdrehen musste damit die Karre lief waren keine Zünd-, sondern Schraubschlüssel. Das Mitführen eines kompletten Werkzeugkastens und Ahnung vom Schrauben war bei diesem Auto Pflicht. Da ich zur damaligen Zeit richtig Auto süchtig war, musste sie oft zurückstecken. Entweder habe ich meinen CX geputzt und gewienert - oder repariert. Irgendwie war ich immer mit meinem Auto beschäftigt. 

Ich fuhr dieses Auto insgesamt 2.5 Jahre. In diesem Zeitraum ging einfach alles kaputt was an einem Auto kaputt gehen konnte. So gut es sich fuhr, so schlecht war es von der Verarbeitung und Zuverlässigkeit. Als es dann anfing innerhalb kürzester Zeit regelrecht komplett wegzurosten, da hatte ich dann keine Lust mehr. Ich gab auf. Dieses Auto verschlang am Ende nicht nur meine gesamte Freizeit, sondern auch mein komplettes Budget. Das nächste Problem beim Suchen nach einem anderen Auto war diesen CX loszuwerden. Kein Händler wollte dieses Teil in Zahlung nehmen. Jedes Kaufgespräch wurde von allen Händlern sofort beendet als ich erwähnte, dass ich einen Citroen CX in Zahlung geben möchte. Der Ruf dieses Autos war weltweit bekannt. Er taugte nichts.

So schön dieses Auto auch war, es musste weg. Ich wollte etwas Vernünftiges haben und landete dann bei meinem ersten Mercedes. Ich stellte fest, dass es auch Autos gibt die komfortabel und zuverlässig sind.

Obwohl dieser Wagen das mit Abstand schlechteste Auto war das ich jemals besaß, lässt heute noch der Anblick eines solchen mein Herz höher schlagen. So schlimm auch alles war, so viel Ärger mir diese Mühle auch bereitete - ich liebte sie trotzdem. Es gibt viele solcher Dinge und jeder kennt sie. Man weiß genau, dass es der größte Mist ist den man da hat, man kommt aber nicht los davon und ist regelrecht süchtig danach.

Mit der Ape ist es ja auch nicht anders. Ein mies verarbeiteter, völlig untermotorisierter rollender Altglascontainer mit einem absolut miesen Fahrwerk zu einem völlig überzogenen Preis und einem Benzinverbrauch der höher ist als bei vielen Kleinwagen. Trotzdem macht man diesen Quatsch mit, kauft sich eine und ist am Ende süchtig danach. Heilung zwecklos...

Noch ein paar Fotos von Dunkerque.







Nach Besichtigen der Stadt geht es ab in Richtung Fähre. Auf dem Parkplatz dort werden meine Biene und ich die Nacht verbringen. Gut ist, man kann dort gratis duschen. Keine Luxus-Duschen, aber sauber. Ich kann mir das Aufbauen meines komfortablen Badezimmers heute Abend ersparen.

Der Terminal. Hier kaufe ich das Ticket zur Überfahrt nach Großbritannien.




Der Parkplatz bietet eine gute Möglichkeit zur Übernachtung. Nach dem Vertilgen einiger Dosen natürlichen Gerstensaftes lege ich mich in mein rollendes Hotel und schlafe direkt ein. Den Wecker stelle ich auf 04:00 Uhr. Um 06:00 Uhr werde ich endlich nach Großbritannien rüberschippern. Ein lang ersehnter Traum wird nun endlich in Erfüllung gehen.



Viele Kilometer bin ich heute nicht gefahren. Es waren lediglich 44.

Sonntag, 03.Mai 2015

"Von Dover nach London"


Es ist 04:00 Uhr. Der Wecker klingelt und ich weiß erst gar nicht wieso. Geschlafen habe ich wunderbar. Zwar waren ab und zu Fahrzeuge ankommender Fähren zu hören, durch die Isolierung des Kastens aber dringen Geräusche sowieso nur ganz leise ins Innere.

Aufstehen, duschen. Frühstück fällt jetzt erst mal aus. Ich werde das auf der Fähre nachholen.



Gegen 05:00 Uhr begebe ich mich in Richtung Fähre, werde von der französischen und britischen Polizei kontrolliert und bekomme einen Zettel in welche Reihe ich mich einzuordnen habe.

Die Fähre steht schon bereit mit ihrem riesigen Maul das nachher meine kleine Ape verschlingen wird.



Nun heißt es einreihen und warten.



Mit einem bestimmten System werden alle möglichen Fahrzeuge vom Fährpersonal in das Innere der Fähre geleitet. Das Ganze wirkt manchmal völlig durcheinander, weil die Fahrzeuge nicht ihrer Aufstellung nach losfahren. Die Leute werden aber schon wissen wieso sie das so machen. Schließlich ist es ihr Job. Ich werde natürlich beim Einfahren in die Fähre als einziger angehalten und gefragt, ob denn dieses Fahrzeug mit den drei kleinen Rädchen bei stärkerem Seegang auch standfest genug sei oder ob es zusätzlich verzurrt werden müsse.

Welch eine Frage ! Wenn nicht dieses Fahrzeug, welches dann ???



Als die Fähre etwa eine halbe Stunde unterwegs ist, zeigt sich so langsam die aufgehende Sonne. Ein wenig komisch ist mir schon dabei. Zum Einen ist da die innere Aufregung endlich nach Schottland zu kommen. Alles andere wird wahrscheinlich auch interessant werden. Schottland aber war nun mal immer mein größter Wunsch. Zum Anderen ist da das Gefühl nun irgendwie richtig weit weg von zu Hause zu sein, obwohl ich entfernungsmäßig schon weiter entfernt war mit der Ape. Nun aber geht es auf eine Insel. Es ist zwar eine große und man wird es bestimmt gar nicht merken auf einer Insel zu sein, das Gefühl ist aber nun mal da.



Zirka zwei Stunden später, der Hafen von Dover. Das Wetter ist schon mal very british. Zu deutsch - Mistwetter ! Diesig, kalt, ein bisschen Regen. Das fängt ja schon mal sehr vielversprechend an.



Noch eben kurz ein Foto schießen vom Einlaufen in den Hafen...



...und schon geht es zwei Etagen tiefer zu meiner Ape.



Wenn man diese Menge an Fahrzeugen sieht die sich in dieser Fähre befinden, dann wundert man sich, dass dieser Eisenhaufen nicht einfach absäuft bei dem Gewicht. Und das Ding hat drei Etagen voll davon.

Nun gilt es die Ape zu finden in diesem Fahrzeuggewühl. Normalerweise orientiere ich mich immer an dem Dachkoffer, der meist alles andere überragt. Hier aber gibt es viele Dachkoffer. Ganz hinten links - das ist meiner.



Die Kreidefelsen von Dover sind bei diesem Wetter leider nicht sehr deutlich und weit zu sehen. Ein bisschen schade ist das schon. Ich werde aber, was ich jetzt natürlich noch nicht ahnen kann, über einen langen Zeitraum in viel schönerer Natur herumfahren. Eine Natur, wie ich sie bisher noch nie zu Gesicht bekommen habe.



Auf nach London ! Bei dem Hinweisschild kommt mir der Gedanke, dass ich es beim Planen weiter entfernt in Erinnerung hatte und wunder mich ein wenig. Ein paar Minuten später habe ich dann aber doch kapiert, dass ja hier Entfernungen nicht in Metern und Kilometern, sondern in Yards und Meilen angegeben werden.

Der Linksverkehr wirkt die ersten paar Minuten komisch. Ich habe mich aber so schnell daran gewöhnt, dass ich überhaupt keine Schwierigkeiten damit habe. Ein paar Meilen gefahren und es ist so als wäre ich nie anders gefahren. Zeitweise kommt er mir in den nächsten drei Wochen sogar logischer vor als der Rechtsverkehr.

Es sind also noch 66 Meilen bis nach London. Das sind rund 105 Kilometer, kaum der Rede wert.



Gegen 11:00 Uhr düse ich durch den Blackwall Tunnel, der mich nach London reinbringt.



London ist an vielen Stellen eine Baustelle. Überall wird modernisiert, um- oder neu gebaut.



In London mit dem Fahrzeug unterwegs zu sein heißt erst einmal im Stau stehen. In einem Gewühl von unendlich vielen Autos geht es nur sehr langsam voran. Die Geruchsbelästigung in der Stadt ist stellenweise unerträglich. Oftmals geht es nur einspurig in jede Fahrtrichtung. Links und rechts der Straße befinden sich Hochhäuser, riesige Bürogebäude, usw.. Dort stehen die Abgase der vielen Fahrzeuge regelrecht in der Luft.

Seit dem
17. Februar 2003 muss man, wenn man mit dem Pkw in die Innenstadt möchte, die sogenannte "London Congestion Charge" (Staugebühr) bezahlen; und zwar von Montag bis Freitag in dem Zeitraum von 07:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Am Samstag und Sonntag sowie an sogenannten "Bank Holidays" (Feiertagen) braucht man diese Gebühr nicht entrichten. Ich darf also heute den Mief gratis einatmen. Den Autoverkehr aus der Innenstadt mit Einführung der Gebühr herauszuhalten und die Leute zu motivieren öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, ging also voll in die Hose. Früher durfte man die Luft in London gratis verpesten, heute bezahlt man dafür. Geändert hat sich nichts. Der Verkehr hat nicht abgenommen, der Gestank ist der gleiche. Wenigstens aber hat man den Autofahrer mal wieder geschröpft. Der Erfindungsgeist britischer Bürokraten steht also dem der deutschen in nichts nach.

Das was war, das taugte nichts. Das was nun nach der Änderung ist, ist das Gleiche wie vorher. Wenigstens aber zahlt der Bürger nun für den Stillstand, dessen Erreichen wohl viele britische Steuergelder verschwendet hat durch Aufstellen von zusätzlichen Verkehrszeichen, die auf die zu bezahlende Zone hinweisen.



Auf die Straßen wurde das große "C" gemalt und viele wichtige Menschen, die das nun alles so toll in die Wege geleitet haben, wurden wohl fürstlich für diese Meisterleistung bezahlt. Kommt mir irgendwie alles bekannt vor.





Zuerst fahre ich über die weltbekannte Tower-Bridge. Ich möchte einen Parkplatz suchen, um die Innenstadt zu Fuß zu erkunden. In London gibt es alles, aber keine Parkplätze. Egal wo ich vorbeikomme, es ist alles besetzt. Nicht eine Lücke ist frei für meine kleine Ape.



In einer Seitenstraße halte ich an und schieße ein Foto der Brücke von der Seite.



Der Big Ben mit dem Palace of Westminster.



Am Fahrbahnrand verläuft eine doppelte rote Linie. Dies bedeutet absolutes Haltverbot zu jeder Tageszeit.
In London gibt es gelbe und rote Linien. Sie haben unterschiedliche Bedeutungen.

Einfache gelbe Linie (Single Yellow Line):
Zu bestimmten Uhrzeiten, die auf Verkehrszeichen angegeben sind, darf man hier Personen ein- und aussteigen lassen. Warten oder Parken sind verboten.

Zweifache gelbe Linie (Double Yellow Line):
Personen dürfen ganztätig ein- oder aussteigen. Warten oder Parken sind verboten.

Einfache  und zweifache rote Linie (Red Route):
Eigentlich darf man hier als normaler Pkw-Fahrer überhaupt nichts. Man darf weder Halten noch Parken. Hält man sich nicht daran, wird es verdammt teuer. Interessant sind diese roten Linien eher für Taxi-Fahrer. Bei der einfachen roten Linie dürfen sie zu bestimmten Uhrzeiten Fahrgäste ein- oder aussteigen lassen, bei der doppelten roten Linie ganztägig. Das Be- und Entladen ist aber verboten.

Die doppelte rote Linie leuchtet mir schon von Weitem entgegen. Wie aber soll ich in diesem Ameisenhaufen ohne Parkplätze den Big Ben zusammen mit meiner Ape auf ein Foto bekommen ? Ich muss das Risiko eingehen gleich tierisch eins auf den Deckel zu kriegen und um einige Pfund erleichtert zu werden. Ape parken, ein Stück zurückgehen, Fotoapparat zücken, Auslöser drücken - und schon ist ein Streifenwagen im Anmarsch. Gleich gibt´s Stimmung... 

Aber, es passiert überhaupt nichts ! So klein ist die Ape aber auch wieder nicht, dass man sie übersieht. Ich fühle mich ignoriert. Tatsache wird wohl eher sein, dass hier so einige Touristen wie ich ein Foto schießen und mal eben kurz stehen bleiben. Offensichtlich wird das einfach toleriert oder aber, ich habe einfach nur Glück gehabt und die Polizisten fuhren zu einem Einsatz. Wenigstens hätte man mich ja durch´s Fenster zusammenfalten können...




Ich fahre ein Stück weiter und bekomme das Riesenrad, das "London Eye", zu sehen. Was einmal an einer doppelten roten Linie gut geht, wird auch ein zweites Mal gut gehen. Und es geht gut...



So langsam bereiten diese roten und gelben Linien Spaß. Nach viel Rumfahrerei in der Londoner Innenstadt finde ich in einer Seitenstraße doch tatsächlich einen Parkplatz; und zwar in der Great College Street SW 1. Luftlinie vom Big Ben nur ca. 200 Meter. Allerdings befindet sich hier eine Single Yellow Line und auf den Armaturenbrettern der geparkten Fahrzeuge befinden sich so seltsame Anwohnertickets. Erst zögere ich noch ein wenig, ob ich hier wirklich parken soll. Dann aber gehe ich das Risiko ein, dass ich entweder bei der Rückkehr einen Strafzettel am Scheibenwischer habe oder aber, dass ich die Ape wieder auslösen darf nach dem Abschleppen.



Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass in London irgendwie ein riesiger Trubel herrscht. Schließlich kam gestern die kleine Prinzessin von Käthe und ihrem Willi zur Welt. Aber nichts ist. Würden an den Ständen der Geschäfte nicht die Fotos von den dreien in sämtlichen Zeitungen abgebildet sein, man möchte nicht glauben, dass hier gestern etwas Besonderes passiert sein soll. Der Trubel, der hier herrscht, scheint eher üblich für so eine große Stadt zu sein.

Ich verlasse meine Ape in der Hoffnung, sie an dieser Stelle später wiederzusehen ohne irgendwelche Überraschungen festzustellen und schlender durch einige Straßen mit sehr schönen Häusern.



Auffallend in London ist die Sauberkeit. Es liegt nichts auf der Straße herum. Graffiti an den Wänden sucht man vergebens. Tretminen von Vierbeinern auf dem Gehweg- gibt es nicht. Als ich vor vielen Jahren das letzte Mal hier war, da sah es noch ganz anders aus. Da war London eine ziemlich schmutzige Stadt mit Seitenstraßen, in die man sich allein nicht reintraute.



Ein englischer Briefkasten.



Wie überall in Städten mit viel Tourismus kann man auch hier kitschige Andenken, die kaum die Heimfahrt überstehen, zu völlig überteuerten Preisen erwerben.



Und da steht er nun vor mir in seiner ganzen Größe - der Big Ben. So riesig wie man meinen könnte, ist er jedoch nicht. Seit September 2012 heißt er offiziell "Elizabeth Tower". Eine beschlossene Sache des britischen Parlaments anlässlich des diamantenen Thronjubiläums von Königin Elisabeth II. Wieso meinen Politiker eigentlich ständig irgendetwas verändern zu müssen, was eh keinen Menschen interessiert und sowieso völlig überflüssig ist ? Die ganze Welt kennt diesen Turm als Big Ben und so wird es auch immer bleiben. Also - ich stehe vor dem Big Ben...



Schön ist er schon. Seine Wirkung verfehlt er nicht.



Der Palace of Westminster, auch Houses of Parliament genannt.



Eine kleine Spielerei mit meinem iPhone.



Nachdem ich so einige Meter zu Fuß zurückgelegt habe, laufe ich zur Ape zurück. Irgendwie lässt mir dieses verbotene Parken keine Ruhe und außerdem habe ich keine Lust für die anderen Sehenswürdigkeiten noch Stunden hier unterwegs zu sein.



Menschen sind hier genug unterwegs und man hört alle möglichen Sprachen.









Am Buckingham-Palace. Keine Käthe und kein Willi auf dem Balkon die mir zuwinken.



Ins Hardrock-Café muss ich natürlich auch. Großeinkauf für die Söhne und mich ist angesagt.



Ein Eingang zum Hyde Park.



Nachdem ich einige Stunden in London verbracht habe, beschließe ich weiterzufahren. Die Enge dieser Stadt nervt mich. Normales Fahren ist hier gar nicht möglich, man steht ständig im Stau. Die roten Doppeldecker-Busse, von denen hier sehr viele unterwegs sind, pusten mir noch richtig schön ihre Abgase in die Kabine. Alle Ampeln sind grundsätzlich erst mal rot. Die Taxifahrer haben ihre eigenen Verkehrsregeln. Eine Fahrt durch London wird begleitet durch ständige Sirenen von Krankenwagen und Polizeifahrzeugen. An jeder Ecke wird gehupt. Ich will nur noch eins, mit der Ape heil hier rauskommen. Bei dieser Verkehrsdichte und der Art wie manche fahren, ist ein Unfall schnell passiert. Knallt mir einer in die Ape, dann war es das. Dann fahre ich in drei Wochen nicht nach Hause, dann werde ich überführt. Darauf habe ich aber keine Lust.

Mir kommt der Vergleich mit anderen Weltstädten die ich mit der Ape besucht habe, wie München oder Paris. Dort ist auch sehr viel Verkehr. Da sind aber auch die Straßen breiter, für alles ist viel mehr Platz. Hier in London komme ich mir vor wie in einem wilden Ameisenhaufen. Eigentlich hatte ich bei der Planung der Tour zwei Tage für London veranschlagt, mir reicht aber der halbe. Ich kann Menschen nicht verstehen die einen Wochenendtrip hierhin machen. Fahrt lieber nach Paris !

London ist nicht schlecht, es gibt auch so einiges zu sehen und es war schön mal wieder hier gewesen zu sein. Es gibt aber schönere, große Städte mit ebenso vielen und schönen Sehenswürdigkeiten. Es muss nicht unbedingt London sein.

Ich kämpfe mich also mit der Ape durch diese Unmenge an Autos und Menschen und gebe Amesbury in das Navi ein. Dort werde ich Stonehenge besuchen. Die weltberühmten Steine, die jedermann kennt.

Nachdem ich London verlassen habe und endlich wieder über Land und durch Dörfer und kleine Städte fahre, kann ich erst mal durchatmen. Der Stress, dieser unerträgliche Lärm und vor allem diese mit Abgasen verseuchte Luft sind vorbei. Mich wundert es nicht, dass Menschen die in Großstädten wohnen irgendwie einen Haumich haben. Bei diesem Lärm kann man nur wahnsinnig werden.

Ich genieße regelrecht diese wunderschöne englische Architektur der Wohnhäuser.



In manchen Straßen sehen alle Häuser erst mal gleich aus. Trotzdem unterscheiden sie sich und jedes Haus ist doch individuell.





Auch wenn hier Linksverkehr herrscht, geparkt wird erst mal in Fahrtrichtung in der man fuhr. Ob das nun am rechten oder linken Rand ist, das ist egal. Es scheint aber erlaubt zu sein, weil ich das in ganz Großbritannien so sehe.



In Ditton Hill stehe ich an einer roten Ampel, auf dem Fahrstreifen links neben mir ein weißer, fetter Audi Q 7 mit britischem Kennzeichen. Der Fahrer, dem Aussehen nach ein Inder, drückt auf sein Knöpfchen und seine Seitenscheibe fährt elektrisch runter. Er will was von mir. Ich drücke auf das Hebelchen meiner Seitenscheibe und schiebe sie manuell runter. Er spricht mich an, und zwar in deutsch: "Bist du aus Wesel ?" Ich erwidere: "Ja, woher bist du denn ?" "Ich habe 20 Jahre in Wuppertal gewohnt !" Wir wechseln noch kurz ein paar Worte und dann wird es grün.

Da schippert man mit der Fähre nach Großbritannien, befindet sich über 500 km von zu Hause entfernt und wird aus einem deutschen Auto heraus von einem deutsch sprechenden Inder der in Großbritannien lebt, in deutscher Sprache nach der Weltstadt Wesel gefragt. Verrückte Welt.

Bis zu meinem Zielort Amesbury sind es noch rund 150 km und es ist kurz vor 20:00 Uhr. Es wird Zeit eine Übernachtungsstelle zu suchen. Ein paar Kilometer weiter nur werde ich in Guildford fündig. An den Eastgate Gardens werde ich mich niederlassen. Ruhig und abgelegen in einer Seitenstraße. Hier wird einem guten Schlaf nichts im Wege stehen.

Ich gehe noch etwas spazieren und stelle fest, dass ich in einer sehr kleinen, aber schönen Stadt gelandet bin. 

Anschließend erkunde ich noch ein wenig die nähere Umgebung.

Als es dann dunkel ist gönne ich mir noch ein wenig Bier, entspanne etwas, lasse den Tag gedanklich noch einmal passieren und schon geht es in die Waagerechte. Der Tag war anstrengend. Beim Einschlafen habe ich immer noch den Lärm dieser großen Stadt London in den Ohren...

Ich bin heute 208 Kilometer gefahren.

Montag, 04.Mai 2015

"Die Steine von Stonehenge und Salisbury"

08:00 Uhr, Zeit zum Aufstehen. Die Ape steht nur etwa 100 m von den Allan House Grounds entfernt. Dies ist eine kleine, typisch englisch angelegte Parkanlage. Ich schau sie mir kurz an und fahre dann in Richtung Stonehenge. Bis dahin habe ich noch ca. 100 km zu fahren.
Das Wetter ist gut und ich komme durch wunderschöne, kleine Dörfer und Städte. Dieser englische Baustil ist immer wieder faszinierend.





An der A 303, zwischen Basingstoke and Deane und Winchester wird dann erst mal in aller Ruhe gefrühstückt und geduscht. Dass es am Ende zwei Stunden später ist, ist so nicht geplant. Das macht aber nichts. Manchmal passt mein Rumklüngeln gut zur Reisegeschwindigkeit der Ape. Immer gemütlich, nicht aus der Ruhe bringen und Zeit lassen.





Weiter geht es in Richtung Stonehenge...





... und gegen 15:00 Uhr treffe ich dann endlich dort ein. Für 100 Kilometer Fahren habe ich mit gemütlichen Pausen, Rumsitzen, Zwischenstops weil was Schönes gesehen, Motor schonender Reisegeschwindigkeit nur etwa 7 Stunden gebraucht. Wenn das mal kein Rekord ist. Aber, der Weg ist das Ziel.



Stonehenge - der absolute Knaller in alle Richtungen ! Immer wieder mal liest, hört oder schaut man Berichte über diese mystisch wirkenden, senkrecht stehenden und waagerecht liegenden Felsbrocken von denen man immer noch nicht 100prozentig Genaues weiß. Alles nur Vermutungen.

Man muss sich diesen unheimlichen Ort unbedingt anschauen, dort in sich gehen, dieses Unheimliche auf sich wirken lassen, ansonsten hat man im Leben wirklich etwas verpasst. So werden die Berichte wenigstens an die Leute verkauft.



Meine persönliche Meinung dazu - alles nur künstlich aufgeblähter Schwachsinn. So groß wie diese Steine in Filmen rüberkommen, so groß sind sie nicht. Ich vermute mal, dass die Kameramänner alle am Boden gelegen und nach oben gefilmt haben, damit das Ganze auch spannend aussieht.



Wie sehr man Touristen an der Nase herumführen und ihnen etwas fast Normales als unheimlich toll und wichtig verkaufen kann, wird in Stonehenge besonders deutlich. In Höhe der Steine führt ein Feldweg, an dem einige Autos parken, direkt zu den Steinen. Dort ist aber nicht der Beginn dieser abwechslungsreichen Entdeckungstour. Man wird erst ein ganzes Stück weiter gelenkt. Dort befindet sich ein riesiger Parkplatz. Parken natürlich gegen eine geringe Gebühr von 5 Pfund. Gratis würde keinen Sinn machen.

Von dort führt der Weg direkt zu dem Andenkenladen mit sehr schönen und qualitativ hochwertigen Artikeln zu kleinem Preis sowie zu einem Imbiss der augenscheinlich Pommes nach dem Haltbarkeitsdatum
frisch frittiert neu aufbereitet und lederne Bratwürste mit undefinierbarem Kleister als Soßenersatz anbietet.

Kuchen, der seine beste Zeit vor einigen Tagen hatte, wird für einige Pfund fast verschenkt. Dass man aus drei Bohnen einen richtig leckeren Kaffee in großen Bechern kochen kann, erfährt man dort auch. Alles eine wirkliche Meisterleistung in Sachen Verarsche.

Mit Bussen werden die Besucher von hier aus zu den "Stones of Stonehenge" gebracht. Bis man die Steine gesehen hat, ist das Portemonnaie also schon um einige Pfund erleichtert.

Filmschnitt- diese Feststellungen mache ich viel später. Nämlich, nachdem ich mir die Steine angesehen habe. Vor dem Parkplatz drehe ich natürlich um. Mir fällt der Feldweg ein....

Ich fahre also dort hin und parke meine Ape- umsonst. Die Entfernung zu den Steinen beträgt etwa 100 Meter. Schön und interessant sind sie ja, muss ich zugeben. Aber, unheimlich und mysteriös - auf keinen Fall. Ich gehe also zu Fuß in Richtung Eingang und werde auf den Weg dorthin von einem alten Mann angesprochen. Er gibt mir den Tipp das Eintrittsgeld zu sparen. Man braucht einfach nur am Eingang vorbei und über das angrenzende Feld in Richtung der Steinchen zu gehen. Man sieht sie von dort aus genauso gut als wenn man durch das offizielle Eingangstor geht. Cooler Tipp, der mir einen Pfund wert ist.
Ich habe den Eindruck, dass der alte Mann ein bisschen seine Rente aufbessert. Diesen Tipp gibt er an so einige Leute weiter und erhält dafür immer ein Dankeschön in Form einer Münze.


Sein Tipp hat mir rund 16 Pfund erspart ! Der Eintrittspreis ist der Hammer ! Rund 17 Pfund muss man als Erwachsener bezahlen, um die Steine aus einer etwas näheren Entfernung zu betrachten. Die Familienkarte, egal wie viele Kinder man hat, ist dann doch recht günstig - läppische 40 Pfund.



Was wird geboten, wenn man den Eintritt zahlt ? Die Antwort ist ganz einfach - nichts ! Absolut gar nichts. Um die Steine drumrum befindet sich ein Zaun. Die Entfernung vom Zaun zu den Steinen beträgt etwa
15 Meter. Am Zaun entlang führt ein Kiesweg. Man kommt an die Steine überhaupt nicht ran. Das muss aber kein Nachteil sein. So bleiben sie wenigstens unversehrt.

Wenn man also den Eintritt bezahlt, darf man anschließend im Abstand von etwa 15 Metern im Kreis um die Steine laufen. Man muss dementsprechend auch einige Runden laufen, um die ausgegebene Kohle sinnvoll abzurennen. Selten habe ich eine größere Ausbeute gesehen als hier. Der Abstand den ich zu den Steinen habe beträgt vom Feld aus nur einige Meter mehr als der den die Zahlenden haben. Ich könnte mich kaputt lachen über die im Kreis laufende Menschenherde. Wie so ein Schaf rennt ein Dörpel dem anderen hinterher. Ob die Steine sich aber verändern und mystisch wirken, je mehr Runden man auf dem Kiesweg läuft, das habe ich leider nicht in Erfahrung bringen können. Wahrscheinlich besteht die Mystik wohl eher aus Schwindel durch das ewige Kreisrennen. Für mich ist diese ganze Veranstaltung hier einfach nur lächerlich und peinlich.



Natürlich ist dieser Ort, wie schon bereits erwähnt, interessant. Ich bin auch froh, dass ich den Weg hierhin gemacht und die Steine angeschaut habe. Zukünftige Berichterstattungen aber, wie diese Brocken hier heute angeblich wirken sollen, sehe ich skeptischer und reeller.

Selbstverständlich war es für die damalige Zeit bestimmt eine Meisterleistung mit den gegebenen Mitteln Derartiges herzustellen und der Hintergrund weshalb man es gemacht haben könnte, ist sehr interessant. Dass man aber heute so ein Spektakel zu völlig unverschämten Preisen macht, das kann ich weder verstehen noch akzeptieren. Ich kann mein Geld sinnvoller ausgeben.



Nachdem ich die Steine für einen freiwillig bezahlten Pfund gesehen habe, geht es nochmals zurück zu dem eigentlichen Beginn dieses Spektakels. Ich fahre zu dem Parkplatz und muss feststellen, dass ich meine Ape dort nun abstellen kann ohne bezahlen zu müssen. Die Parkplatzwächter haben Feierabend.



Der Andenkenladen ist gut bestückt mit überwiegend Sinnlosem, aber auch zum Teil interessanten und wirklich schönen Dingen. Das Sinnlose ist nur teuer, das Schöne völlig überteuert. Trotzdem kaufe ich ein Buch über nähere Informationen zu diesem Ort.



Angrenzend hat man ein Dorf mit einigen Hütten der Zeit aufgebaut, wie es eventuell ausgesehen haben könnte, als die Steine errichtet wurden.




Um so einen Brocken zu transportieren sind über 100 Menschen erforderlich.





Es beginnt leider zu regnen. Das Wetter in Großbritannien ist manchmal wirklich verrückt. Eben noch warm und sonnig, gleich der heftigste Regenfall. Ist das dann nach einigen Minuten vorbei, dann kommt die Sonne wieder durch. Es könnte aber auch schon mal hageln. Oder der Regen bleibt und es wird richtig kalt. Es könnte aber auch warm werden, trotz Regen. Irgendwie lässt sich das Wetter hier nie vorhersehen. Es ändert sich manchmal pro Stunde drei mal., manchmal öfter, ab und zu auch gar nicht....

Der weitere Weg führt nach Salisbury, wo ich gegen Abend ankomme. Es regnet immer noch - diesmal bleibt das Wetter beständig.



Auf den Straßen in Salisbury ist nichts mehr los. Es ist spät am Abend, die Geschäfte geschlossen und das Wetter mies. Alles Dinge, die die Menschen nicht grad vor die Tür bringen.





Ape parken und zu Fuß geht es weiter.



Ich stelle fest, dass Salisbury eine wunderschöne kleine Stadt ist und dass ich hier eine Stelle zum Übernachten suchen werde.













Nach zwei Stunden Rundgang durch die Stadt finde ich abgelegen und dennoch zentral einen Parkplatz zum Schlafen. Die Parkgebühr hierfür beginnt erst am nächsten Tag um 08:00 Uhr. Bis dahin bin ich aufgestanden.



Der Tachostand der Ape lautet 41.887. Ich bin heute 144 Kilometer gefahren.

Dienstag, 05. Mai 2015

"Salisbury und Exmouth"


Um 07:30 Uhr weckt mich die innere Uhr und sagt mir, dass es Zeit wird zum Aufstehen. Das Bezahlen der Parkzeit beginnt in 30 Minuten. Die Nacht hat es durchgehend geregnet. Der Himmel ist noch bedeckt, die Sonne blitzt zwischen den Wolken aber des Öfteren durch.

Ich beeile mich zwar mit dem Frühstück und dem Duschen, brauche aber dennoch eine ganze Stunde. Kurz bevor ich abfahren will, kommt aber auch schon die Politesse der Stadt vorbei und überprüft die Parkscheine. Ich erkläre ihr, dass ich hier nur kurz gefrühstückt habe. Obwohl ich schon eine halbe Stunde über der Zeit bin, entgegnet sie mir nur freundlich, dass ich denn mal ein bisschen Gas geben soll. Nicht, dass sich jemand anderes beschwert, weil er ein Ticket bekommt und ich gar nicht bezahlt habe.

Die Freundlichkeit der Briten, in Wort und Geste, ist mir bisher sehr positiv aufgefallen und ich werde sie den gesamten Zeitraum über auf meiner Tour noch so einige Male kennen lernen.

Nachdem ich alles gepackt und an Ort und Stelle verstaut habe, suche ich einen Parkplatz mitten in der Stadt. Ich parke an der Cathedral, die ich als erstes anschauen möchte. Der Bau ist schon mächtig imposant. Ich schlender zunächst durch den schön angelegten Innenhof und beschließe das Innere anzuschauen. Da ich aber dafür 19 britische Pfund Eintritt bezahlen soll, verzichte ich darauf.





Angrenzend befindet sich ein Andenkenladen mit einem interessanten Café. Da ich noch keinen Hunger habe, gehe ich zunächst in die Stadt.



Die Geschäfte sind geöffnet und ich schlender von einer Ecke zur anderen.



Die Sonne kommt durch, es wird warm und das was ich gestern Abend schon sah, ist bei dem Wetter und dem Volk auf der Straße nun mit Leben gefüllt.





So langsam meldet sich der Magen und ich beschließe zum Café der Cathedral zu gehen.



Das Angebot, was es hier alles zum Frühstück gibt ist sehr groß und - ein wenig befremdend. Die britische Küche ist schon sehr viel anders als die deutsche. Die Briten essen das zum Frühstück was bei uns eher zur Kaffeezeit oder gegen Abend gegessen wird. Irgendwie ist hier alles anders.

Das britische Essen aber zu kritisieren ohne es selbst probiert zu haben , das liegt mir fern.





Ich frage die sehr freundliche Bedienung, welchen Tee man in Großbritannien üblicherweise trinkt und wie er dann zubereitet wird. Die Zubereitung übernimmt dann sie. Nachdem der Tee durchgezogen ist, mache ich es wie die anderen Briten, die hier ebenfalls frühstücken - es kommt Milch in den Tee. Zum Essen habe ich mir eine in süßem Teig eingebackene Wurst ausgesucht. Was sich ein wenig seltsam liest stellt sich als ein richtig leckeres Frühstück heraus. Ich hole noch Nachschlag und esse mich richtig satt auf britische Art.





Ich spaziere noch durch den sehr liebevoll angelegten Park ...



... und fahre zum nächsten Tourenziel - Exmouth. Bis dahin habe ich etwa 150 Kilometer zurück zu legen. 



Nachdem ich very british gebreakfast habe, geht es very british weiter - auf der linken Fahrspur. Das Fahren auf der linken Seite bereitet mir überhaupt keine Probleme.



Die Sonne kommt durch und es ist so warm, dass ich sogar die Klimaanlage in der Ape einschalten muss- zwei heruntergelassene Seitenscheiben.



Teilweise benutze ich A-Roads.



Warum hier jetzt unbedingt auf meine Ape aufmerksam gemacht wird "Slow Lorries for 3/4 Mile", das verstehe ich nicht. Der slow lorry ist schon seit Dover unterwegs und blockiert regelmäßig den Verkehr.



Streckenweise befahre ich aber auch sehr abgelegene und wenig frequentierte Landstraßen. Im Navi habe ich die kürzeste und nicht die schnellste Strecke eingegeben. Genau diese Option führt mich dann sehr oft durch wunderschöne englische Landschaft und sehr schöne, kleine Dörfer.



Die Sonne wechselt sich mit den Wolken ab. Zwischendurch fallen mal ein paar Tropfen, dann wird es wieder richtig warm. Aber, das kenne ich ja jetzt schon...



Ich fahre durch Warnister, Honiton, an Chicklade vorbei, komme durch Mere, Queen Oak, Beachford, Cadbury und lege gegen 14:00 Uhr in Ilminster eine kleine Pause ein. Hier tanke ich und kaufe in dem an der Tankstelle angrenzenden SPAR- Laden ein wenig ein. Mit einer Deutschen, die vor Jahrzehnten nach Großbritannien ausgewandert ist, unterhalte ich mich ein wenig bevor ich die Fahrt fortsetze.



Kurz nach 18:00 Uhr stehe ich am Ortseingangsschild von Exmouth.



Beim Einfahren in Exmouth hat man einen sehr schönen Blick auf die etwas tiefer liegende Stadt mit dem angrenzenden Meer.







Am Ortseingangsschild schien noch die Sonne, nun aber ziehen plötzlich dunkle Wolken auf.







Am Strand ist es verdammt windig. Bei schönem Wetter muss es hier richtig schön sein, aber eben nicht heute.



Ich fahre noch ein wenig an der Promenade entlang...





... und stelle in einer Seitenstraße die Ape ab.



Ich schlender durch diese kleine, gemütliche Stadt. Zwischendurch gibt es einen mächtigen Wolkenbruch.



Ein paar Minuten später aber ist es wieder vorbei mit der Ungemütlichkeit. Die Sonne ist wieder da und es ist schön warm.



Als ich zu meiner Ape zurückkehre, ist diese mit Sand übersät. Der Wind trägt hier also den Sand bis in die Stadt hinein. Nun ist mir klar, wieso hier alle Türen und Fenster geschlossen sind.



Am späten Nachmittag geht die Reise weiter. Das nächste Ziel soll Exeter sein. Es geht wieder durch sehr schöne Landschaft...



... und durch wunderschöne, kleine Dörfer...





... und natürlich auch stückweise über einige A-Roads.



Ich treffe in Exeter ein und drücke das Gaspedal direkt wieder durch zum Weiterfahren- das ist nix ! Exeter versprach bei der Planung anhand der Fotos im Internet mehr. Real sieht es anders aus. Ich bin auch nicht der Typ der dann verzweifelt nach schönen Ecken sucht und sich dann alles schönredet. Was mir nicht gefällt das will ich nicht und das schau ich mir auch nicht an.

Wie ein Blitz schießt meine Ape direkt weiter in Richtung zum nächsten Ziel. Das soll Bristol sein. Bis dahin sind es etwa 130 Kilometer. Das ist heute nicht mehr zu schaffen, ich werde aber schon mal ein Stück in diese Richtung fahren. Wo es dann schön ist, wird übernachtet.

Nach rund 70 Kilometern Fahrt komme ich in ein Dorf namens Martock. Sehr schöne, alte und bestens gepflegte Häuser und einer guten Übernachtungsstelle. Dort parke ich die Ape, bereite noch ein wenig was zu essen und füge der Mahlzeit noch ein paar Dosen leckeres englisches Bier hinzu. Ein paar Jungs, so um die 10 Jahre alt, kommen mit ihren Rädern vorbeigefahren, sind erstaunt über mein Gefährt und sprechen mich an. Sie finden es richtig cool und müssen erkennen, dass ich doch von diesem Planeten bin.

Ich hau mich danach in mein Bettchen und schlafe wunderbar ein.

Gefahren bin ich heute 254 Kilometer.

Mittwoch, 06. Mai 2015

"Ein Tag in Bristol"

07:30 h rappelt der Wecker. Der Tag beginnt. Die Sonne steht am Himmel und es ist warm, beste Voraussetzungen.



Ich gehe zum Bäcker und kaufe Brötchen.



Nach dem Frühstück und einer Dusche geht es ab in Richtung Bristol.



Ich komme aber an der "Parish Church of all Saints, Martock" vorbei und da der Baustil und der angrenzende Friedhof interessant aussehen, entscheide ich mich für einen kurzen Stop.





Viele der Gräber sind schon sehr alt. Die Grabsteine sind teilweise umgekippt oder stehen schräg. Den Daten nach sind viele schon weit über 100 Jahre alt. Schön, dass man es trotzdem so belässt.







Irgendwas ist hier in den letzten Tagen mit Kindern gewesen. Was, kann ich nicht herausfinden. Überall aber hängen kleine Beutel mit Spielzeug als Inhalt.



Hier kann man schon zu Lebzeiten sehen mit welchem Mobil man nach dem Ableben in der Kiste zu seiner neuen Wohnstätte transportiert wird.



Nach etwa einer Stunde habe ich genug gesehen und gelesen. Es geht weiter. Meine beiden Wasserkanister mit Frischwasser aufzufüllen war auf keiner Reise bisher so einfach wie es in Großbritannien ist. Jede größere Tankstelle hat eine Säule stehen an der man den Luftdruck der Reifen gegen eine Gebühr von 50p überprüfen und Frischwasser gratis zapfen kann.



Im Laufe der Fahrt nach Bristol verschwindet die Sonne und Regenwolken ziehen auf.



Mal regnet es, mal nicht. Die Wolken aber bleiben.





Die schöne englische Landschaft aber lässt mich das schlechte Wetter vergessen. Wohl auch auf Grund des ständig wechselnden Wetters sind alle kleinen und großen Pflanzen, alle Wiesen und Blumen- eben alles Grünzeug, kräftig und saftig grün.



Kaum dass ich Bristol erreiche, verschwinden die Wolken so langsam.



Nur einige Minuten später beginnen die Wolken sich aufzulösen und die Sonne kommt direkt hervor. Es wird auch direkt wieder warm. Es ist wirklich verrückt, mit welch einer Schnelligkeit das Wetter hier in Großbritannien wechselt. Wettergerechte Kleidung anzuziehen ist zu dieser Jahreszeit anscheinend noch gar nicht möglich. Man stellt sich wohl am besten auf Kälte und Regen ein. Knallt die Sonne dann vom Himmel, muss man die Regenjacke halt in die Hand nehmen.



Ich schau die Stadt zunächst von der Ape aus an.







Auf einem zentral gelegenen Parkplatz schmeiße ich einige Pfund in den Parkscheinautomaten und erkunde Bristol zu Fuß. Dass das Parken in Großbritannien nirgendwo billig ist, daran habe ich mich schon gewöhnt. Ebenso habe ich es mir angewöhnt immer einige 1 Pfund und 50p - Münzen parat zu haben. Die liegen immer im Aschenbecher der Ape, den ich eh nicht benutze. Meist aber ist er bei diesen saftigen Parkgebühren schneller leer als gefüllt.



Zunächst führt der Weg durch das Hafengebiet. Hier liegen neben einigen großen Schiffen überwiegend kleine Yachten, Motor- und Hausboote.





Ich komme am "Great Western Dockyard Museum" vorbei, in dem die "Great Britian" ausgestellt ist.



Zunächst aber wird der Besucher wieder erst einmal an viel käuflichem Krimskrams vorbeigeführt. Der Eintritt in das Museum kostet 14 Pfund. Ist mir zu teuer.



Vom Fenster aus kann ich mir das Schiff genauso ansehen, das reicht mir auch. Mehr interessiert mich daran eh nicht.

Die "Great Britian" war das erste Schiff aus Eisen mit Propellerantrieb, das den Ozean überquerte. Dieses Dampfschiff wurde hier in Bristol von Juli 1839 bis zu seinem Stapellauf am 19. Juli 1843 gebaut. Es wiegt 3679 Tonnen und hat einen Tiefgang von 4,90 Metern.





Auf den Weg in die Stadt sehe ich dann diesen einfallsreichen, selbst konstruierten Außenspiegel, an einem Pkw.



Die Funktion ist scheinbar, mit Ausnahme der Heizung, komplett vorhanden. Nicht schön, aber es klappt.



Das Wetter wird immer besser. Die Sonne steht hoch am Himmel und wärmt. Allerdings ist es leicht windig.





Der leichte Wind wird immer stärker. Aufgestellte Reklameschilder der Geschäfte beginnen sich langsam zu verabschieden und fliegen zur Konkurrenz.



Mehrere Stunden gehe ich durch Bristol. Es ist eine sehr schöne, saubere Stadt mit vielen interessanten Häusern.



Ein überdachtes Einkaufszentrum.



Der Wind hat sich mittlerweile zu einem richtigen Sturm gewandelt. Ich muss meine Tüten richtig festhalten, damit sie nicht wegfliegen.



Die "Clifton Suspension Bridge". Ein schönes Bauwerk, über das ich gern fahren möchte.



Ich bin froh, dass ich mein Navi habe. Den Weg dorthin hätte ich ansonsten nie gefunden. Die Brücke praktisch vor der Nase, muss man einen großen, völlig unlogischen Weg fahren, um überhaupt dorthin zu kommen. Um sie zu befahren, muss man in einen Automaten 1 Pfund einwerfen. Erst dann öffnet sich die Schranke.

Ich möchte aber nicht nur über diese Brücke fahren, sondern auch einen Blick von ihr in das Tal werfen und stelle meine Ape am Fahrbahnrand ab. Es herrscht kein Verkehr und so behindere ich niemanden.



Kaum dass die Ape dort steht, kommt ganz Bristol angefahren. Das ist mir jetzt egal, sie bleibt da stehen.



Blick von der Brücke.





Bei starkem Sturm ist die Überfahrt verboten. Der jetzt noch herrschende Wind lässt die Ape aber immer noch genügend schaukeln. Ein mulmiges Gefühl.



Meine Ape mit der
"Clifton Suspension Bridge" im Hintergrund.



Gegen Abend geht es dann weiter in Richtung Cardiff, in die Hauptstadt von Wales. Bis dahin sind es etwa 150 Kilometer.





Wie schon öfters komme ich manchmal, auf Grund der Navi-Einstellung, in die einsamsten Gegenden. Die Straßen sind dann zwar des Öfteren nur noch Wege, genau das aber ist dann das Schöne. Nur so lernt man ein Land abseits der Autobahnen richtig kennen. Man benötigt dann zwar viel mehr Zeit um an das Ziel zu kommen, die habe ich aber.





Nach zwei Stunden Fahrt komme ich in Lydney an. Ich beschließe, hier zu übernachten. Zwischendurch hat es natürlich wieder mal geregnet. Als wenn der Wettergott ein Auge auf mich gerichtet hat hört es aber immer dann auf, wenn ich am Ziel angekommen bin.

Noch eben kurz was einkaufen, dann essen. Bei einer Flasche Wein schaue ich dann einen Film auf meinem DVD-Player. So klein die Ape auch ist, ich vermisse absolut nichts. Es ist alles vorhanden.



Ich bin heute 168 Kilometer gefahren.

Donnerstag, 07. Mai 2015

"Cardiff und Ross-on-Wye"

Der Tag fängt um 07:30 h an. Er beginnt so wie die gesamte Nacht war - british. Zu deutsch, verregnet. Ich gehe in das Einkaufszentrum und werde erschlagen von den vielen Brot- und Brötchensorten. Unendlich viele Formen, verschiedene Farben.

Im Laufe meines Aufenthalts in Großbritannien stelle ich immer wieder fest, was Briten unter dem Begriff "Brot" verstehen. Lockere und luftige Pampe; mal rund, mal eckig; mal hell, mal dunkel. Die Geschmacksrichtung ist undefinierbar. Es schmeckt irgendwie nach - gar nichts ! Ein komplettes Brot lässt sich ohne Probleme so zusammendrücken, dass es am Ende genauso dick ist wie zwei Scheiben deutschen Brots.

In Großbritannien scheint der Beruf des Bäckers also sehr einfach zu erlernen sein. Das Rezept für eine Teigsorte einprägen und das dann in verschiedene Formen bringen. Kunstvoll verpackt sieht das Ganze dann auch recht hübsch aus. Ich krieg echt die Krise beim Reinbeißen.

Mit meinem Luftbrot stehe ich an der Kasse, drei Leute vor mir. Ich stelle mich hinten an. Da kommt eine Personaltante zu mir und bittet mich an die nächste Kasse, welche eigentlich geschlossen ist. Sie erklärt mir, dass ich das Brot auf ihre Personalkarte kaufen darf, weil ich an der Kasse warten muss. Das erstaunt mich ein wenig und ich bedanke mich. Vielleicht hatte sie aber auch einfach nur Mitleid mit mir weil sie gesehen hat, wie verzweifelt ich nach einem richtigen Brot suchte. So habe ich wenigstens den Beutel Luft mit etwas gebackenem Teig erheblich günstiger bekommen.



Nach dem fürstlichen Frühstück, ich esse fast ein ganzes Brot um einigermaßen satt zu werden, geht es dann um etwa 09:30 h weiter in Richtung Cardiff. Sehr weit zu fahren ist es nicht, nur 65 Kilometer.



Das Wetter wandelt sich innerhalb von Minuten. Die Sonne scheint und es ist herrlich warm.



Die Fahrt nach Cardiff führt mich durch sehr viele kleine Dörfer und Städte. Mittlerweile habe ich mich in den englischen Häuserstil regelrecht verliebt. Natürlich gibt es auch ein paar ungepflegte Häuser, die meisten aber sind liebevoll gepflegt und sehr schön verziert mit Blumen und allem möglichen, sehr penibel geschnittenen und gepflegten Grünzeug.



In Cardiff angekommen steht zuerst die Besichtigung des "Castle Coch" auf dem Plan. Ein Schild weist darauf hin, dass der Parkplatz gesperrt sei. Also parke ich die Ape an der Straße...



... und begebe mich zu Fuß auf den steilen Weg durch den Wald in Richtung Burg. Oben angekommen stelle ich dann fest, dass das Schild wohl alt war und man es einfach nur vergessen hatte zu entfernen. Auf dem Parkplatz stehen Autos. Macht aber nichts. So habe ich die 4 Kalorien, die das gesamte Brot hatte, schon abgelaufen.






Das "Castle Coch".



Der Eintrittspreis beträgt nur 5 Pfund, ich bin erstaunt. Entweder wird das hier ein Reinfall oder aber hier gelten normale Preise. Von außen ist die Burg recht klein und überschaubar, aber optisch sehr schön.

Beim Eintreten bin ich dann erfreut. Eine supergepflegte, kleine Burg. Alles total sauber und ordentlich und man kann für den geringen Preis alle Räume besichtigen. Jeder Raum enthält Hinweisschilder was man grad besichtigt. Ich frage mich, wie man so ein Anwesen für so wenig Eintrittsgeld so gut in Schuss halten kann. Es scheint aber zu funktionieren.

Ein paar umkommentierte Fotos der Burg außen und innen:

























In diesem Café trinke ich einen Cappuccino - und esse etwas. Ich habe Hunger ! Der Pächter, ein skurriler Typ, ist mir sofort sympathisch. Auf seinem Unterarm trägt er eine Tätowierung "AC DC". Er ist also ein Typ mit gutem Musikgeschmack und nicht einer der sich jaulendes Gejammer und Geheule anhört als wenn man einem Hund den Hals zudreht, was besser für Beerdigungen geeignet ist und bei dem die Ohren Krampfadern kriegen.

Wir kommen ins Gespräch. Als er erfährt woher ich komme, wirft er mir einige Brocken deutscher Wörter entgegen, die er noch beherrscht. Er hat in der Schule Deutsch gelernt, das meiste aber schon vergessen.



Nach Besichtigung dieser schönen Burg geht es nun in den Stadtkern von Cardiff. Der Tag bisher ist wunderbar gelaufen, es kann so weitergehen. Eine Tüte Luft mit Prozente gekauft, eine schöne Burg zu einem günstigen Preis besichtigt und das Wetter ist fantastisch.





Einen Parkplatz zu finden ist hier kein Problem. Es gibt genügend. Der Preis ist wie überall bisher, enorm.               



Ich geh an der Burgmauer vorbei...



... und staune nicht schlecht über den Eintrittspreis. Dafür bekomme ich einige Zentner Luft in Tüten beim Bäcker. Das Makabre ist, man sieht vom Eingangsbereich genauso viel als wenn man dort bezahlt und hineingeht.



Ich entscheide mich für den Zoomer des Fotoapparats, ist billiger. So sehenswert, dass ich mir das alles aus nächster Nähe anschauen muss, erscheint mir diese Burg nicht.





Ich gehe lieber in die Stadt.



Cardiff ist ein sehr schönes Städtchen. Alle Schilder, ob nun Verkehrszeichen oder für Werbezwecke werden in englischer Sprache und parallel dazu in walisischer Art angezeigt.





Das Walisische klingt sehr nordisch und hart.



Eine Markthalle, wie ich sie schon so oft in anderen Ländern gesehen habe.



Hier gibt es einfach alles zu kaufen...



...alle Art von Lebensmittel, Kleidung...



... sowie Grundnahrungsmittel in Käfighaltung.



Die springen dann auch hier rum: singend, klatschend, seltsam tanzend. Irgendwie wirken die total zugekifft.



Überhaupt fällt mir hier in Cardiff auf, dass es sehr viele Leute mit starrem Blick und wankendem Schritt gibt. Der Waliser scheint sich gern eins hinter die Binden zu kippen.







Nachdem ich einige Stunden durch die Stadt gelaufen bin und zugedröhnte sowie tanzende Zombies gesehen habe, mache ich mich auf in Richtung meines nächsten Ziels. Das lautet Birmingham. Bis dahin sind es aber noch 180 Kilometer, was ich heute eh nicht mehr schaffen werde.





Nach rund 80 Kilometern Fahrt komme ich in den Ort Ross-on-Wye. Hier gefällt es mir. Klein, sauber, schön. Auf einem Parkplatz, direkt an einem Pub, lasse ich mich nieder. Dass dies eine gute Entscheidung ist, zeigt sich schnell. Draußen sitzen ein paar Jugendliche und Arbeiter nach Feierabend, rauchend und Bier trinkend. In Großbritannien ist das Rauchen in Gaststätten ebenfalls verboten.

Als ich mit meiner Knatterbüchse um die Ecke geschossen komme ist erst mal Sendepause. Man vergisst sein Bier, seine Zigarette und das Sprechen. Dafür schauen mich unendlich viele Augen fragend an. Ich steige aus, gehe zielstrebig in den Pub, bestelle mir ein Guinness, bezahle es direkt wie es hier üblich ist und setze mich in die Nähe der anderen hin. Sie begreifen scheinbar langsam, dass ich gerade nicht gelandet, sondern mit der Straße hier angekommen bin.

Wir sind schnell im Gespräch und es stellt sich heraus, dass es ein verdammt lustiger und trinkfester Haufen ist auf den ich da gestoßen bin. Das erste Guinness ist gegen den Durst, schnell weggekippt und haut mich fast um. Die nächsten werden dann genossen und ich stelle erneut fest, dass Briten verdammt gutes Bier brauen können. Die Behauptung, dass die Schaumkrone weggestrichen wird, stimmt hier nicht und auch in keinem der nächsten Pubs die ich auf der Reise besuchen werde. Die Krone ist nicht so enorm wie man es von deutschem Bier kennt, sie ist aber da. Mir ist es auch ganz recht so. Weniger Schaum heißt automatisch mehr Bier.

Irgendwann in den späten Abendstunden gehen die Jungs und Mädels nach Hause. Wir verabschieden uns und ich falle beduselt in meine Koje. Ob draußen später noch irgendwas los ist, keine Ahnung. Ich kriege gar nichts mit. Ich bin im Guinness-Koma und schlafe bestens durch bis zum nächsten Morgen.

Gefahren bin ich heute 162 Kilometer.

Freitag, 08. Mai 2015

"Birmingham"

Um 06:00 Uhr meldet sich das gefilterte Guinness. Da ich nun einmal auf bin, nutze ich das gleich dazu mir die Gegend anzuschauen, wo ich eigentlich genau bin.



Der besagte Pub...



... mit der überdachten Terrasse...



... und dem angrenzenden Biergarten.





Man sollte nie so viel trinken, dass man sein Auto nicht mehr findet.



Ich fahre mit der Ape durch Ross-on-Wye. Alles liegt noch in den Betten.







Ein wirklich schönes, kleines Städtchen mit sehr schönen Häusern.









Nach Besichtigung der Stadt per Ape, es hat sowieso noch nichts geöffnet in dieser Frühe, fahre ich dann in Richtung Birmingham.





Kurz vor Bastonford geht es erst mal links ab auf einen Parkplatz. Frühstück und Dusche sind angesagt.



Mein weiterer Weg führt mich durch Worcester...





...und es dauert nicht lang, da erreiche ich Birmingham und werde direkt durch eine umgebaute Ape aus dem Hause Lamborghini begrüßt. Coole Karre. Seit das Ding deutsche Technik hat, fährt es sogar und steht nicht nur in der Werkstatt.





Die Architektur in Birmingham ist schon beeindruckend. Alles wirkt sehr modern und neu.





Nach einiger Sucherei finde ich endlich einen Parkplatz. Die zu entrichtende Gebühr leert mal wieder meinen Aschenbecher.



Birmingham hat mehrere angelegte Kanäle, die durch die Stadt laufen. Man kann diese gegen ein Entgelt mit einem Boot als Fahrgast befahren oder es so machen wie ich es tue - zu Fuß.





  

In der Sushi-Bar eines Einkaufszentrums hau ich mir den Magen mal so richtig voll mit guten und leckeren Essen. Das Brot von heute morgen ist schon wieder verdunstet.

   

Als ich satt bin, das hat dem Hunger entsprechend etwas länger gedauert, herrscht draußen eine ganz neue Art von Wetter - es regnet...



Nichtsdestotrotz wander ich an den Kanälen entlang...







... bis ich in die Stadt komme.













Gegen Abend habe ich genug gesehen. Ich tippe das nächste Ziel in mein Navi- Liverpool.



In Birmingham war es eben noch alles sehr sauber, schön und modern. Ich komme nun aber in einen Stadtteil von Birmingham, das muss die Bronx sein.



Auf den Fotos ist es nicht so ohne Weiteres erkennbar, aber hier ist kein Haus auch nur etwas gepflegt. Dunkle, finstere Gestalten laufen hier herum, dass einem Angst und Bange wird.









Ich bin froh, hier heil herausgekommen zu sein. Bis nach Liverpool sind es noch knapp 170 Kilometer. Nach 80 Kilometern, es dämmert schon, komme ich in Newcastle-Under-Lyme an, sehe einen gut gelegenen Parkplatz an einem Altenheim und beschließe, hier zu übernachten.



Ich bin heute 181 Kilometer gefahren.

Samstag, 09. Mai 2015
 
"In der Stadt der Beatles - Liverpool"    

Meine Nachbarn waren ruhig und ich schlafe bis 07:30 Uhr durch. Aufgefallen ist mir schon des Öfteren, wie auch hier, dass Altenheime in Großbritannien scheinbar eingezäunt und mit einer schönen Parkanlage versehen sind. So können die, die altersbedingt nicht mehr ganz klar im Kopf sind, nicht einfach abhauen und müssen anschließend oft mühsam gesucht werden. Vereinzelte werden leider nicht mehr lebend gefunden, weil sie im kalten Winter entweder erfrieren oder aber im heißen Sommer auf Grund Flüssigkeitsmangel verdursten.

Wer nun sagt, dass es unmenschlich sei alte Menschen sozusagen "einzuschließen" der solle erst überlegen, ob es denn menschlich sei diese Geschöpfe dem Schicksal bis hin zum Tod zu überlassen, wenn sie geistig verwirrt umher irren und nicht gefunden werden. Gerade im heutigen Zeitalter ist dies absolut unnötig. Ein eingesetzter Chip oder ein nicht abnehmbares Armband und man könnte diese Menschen innerhalb von Minuten per GPS orten. So eine Methode hätte so manch altem Menschen, der nicht mehr Herr seiner Gedanken ist, das Leben gerettet.



Nachdem ich gefrühstückt und geduscht habe, geht die Fahrt nach Liverpool weiter. Es sind nur noch um die 80 Kilometer bis dahin. In Knutsford, einem völlig unscheinbaren Kaff, steht dann plötzlich ein kleiner Laden von Mc Laren. Da man so ein Fahrzeug nur sehr selten sieht, beschließe ich rein zu gehen und werde auch sehr freundlich begrüßt.

Ich gehe nicht davon aus, dass der Händler der Meinung ist, dass ich meine Knatterbüchse in Zahlung geben möchte für so einen hochklassigen Sportwagen. Ich parke nämlich direkt vor dem Schaufenster. Trotzdem werde ich fast so behandelt.





Der MP 4-21 aus dem Jahr 2006 von dem Formel Eins - Fahrer Raikkonen.



Kaum sitze ich wieder in meiner Ape, komme ich zum nächsten Laden luxuriösester Fahrzeuge - Rolls Royce. Wenigstens hier habe ich erwartet arrogant behandelt zu werden und werde schon wieder maßlos enttäuscht. Das Gegenteil ist der Fall. Meine Ape steht natürlich auch hier direkt vor dem Laden.

Ich denke nicht, dass ich in Jeans, T-Shirt und ollen Latschen aussehe wie ein eventueller Kunde. Trotzdem werde ich freundlich vom Verkäufer begrüßt und sogar gefragt, ob ich einen Kaffee haben möchte. Ich erkläre ihm, dass ich diese Fahrzeuge natürlich sehr schön finde, gerade aber das nötige Kleingeld nicht dabei habe und ob er etwas dagegen habe, wenn ich einige Fotos für mein Album schieße. Natürlich hat er nichts dagegen und bedankt sich für meine Frage.

Er bittet mich darum, mich nicht einfach so in ein Fahrzeug zu setzen. Da die Kunden selbstverständlich sehr anspruchsvoll seien und wenn man mal einen Fleck an der Hose haben könnte, so würde man damit das teure Leder des Autos unter Umständen verschmutzen. Er hat sich also doch meine Jeans näher angeschaut. Wenn ich es wünsche mich in ein Modell des Hauses Rolls Royce zu setzen, dann möchte ich ihn ansprechen. Er würde dann ein Tuch für den Sitz und einen Bogen Papier für den Fußraum holen, das alles damit abdecken und dann dürfte ich selbstverständlich in den Fahrzeugen zur Probe sitzen. Ich bin echt baff über diese Freundlichkeit und diese absolut zuvorkommende Behandlung. Wenn ich da an so manch andere schnöselige und arrogante Verkäufer in Deutschland denke die Autos mit Stern, Niere oder Ringen verkaufen. Die sollten sich mal ein Beispiel an diesen Mann nehmen, zumal er Autos verkauft an die die Genannten nicht im Geringsten rankommen. Das hier, das sind wahre Luxusautos. Edelste Materialien, kein verspieltes Design; imposante, Hochachtung einflößende Erscheinung. Ich bin hin und weg.

Natürlich lehne ich das Probesitzen ab. Ich möchte dem Mann nicht mehr Umstände als nötig bereiten. Ich bin schon froh, dass ich überhaupt den Laden betreten durfte und nicht direkt wieder vor die Tür gesetzt wurde, obwohl ich mit einem Fahrzeug höchster italienischer Ingenieurskunst vorgefahren bin. Tee zu trinken scheint doch gesünder zu sein als Wein. Wenigstens beim Zusammenbau von Fahrzeugen.

Der Verkäufer bietet mir trotzdem noch an, dass ich ihm Bescheid sagen möchte, wenn ich das Innere eines Rolls Royce fotografieren möchte und die Fenster geschlossen sind. Er würde diese dann für mich öffnen und meine Fotos hätten keine Spiegelungen.

Ich hätte den Rest meiner Tour dort verbringen und direkt in den Laden einziehen können. Aber, ich muss weiter. Liverpool wartet.



Das Innendesign kommt meiner Ape doch schon sehr nahe. Vielleicht nicht ganz so perfekt, aber trotzdem schön. Die Technik dieses Fahrzeugs ist natürlich deutsch. Rolls Royce gehört zu Volkswagen. VW musste sich ja in zig Marken einkaufen, damit sie überhaupt auf dem Weltmarkt überleben können. Der verrückte Deutsche würde auch seine ganzen Ersparnisse ausgeben, nur um so eine hässliche, unzuverlässige und völlig überteuerte Rappelkiste wie so einen Golf zu kaufen. Aber, das ist ein anderes Thema...



Noch drei Kilometer bis zum Zentrum von Liverpool, der Stadt der Beatles.





Auch in Liverpool wird überall gebaut.



Ich komme im Zentrum an, bleibe an einem Eiswagen stehen und hole mir erst mal ein Eis.



Dann geht es in die Stadt. Verkehrsmäßig ist es angenehm hier zu fahren. Wenn ich da an London denke...







In einer Seitenstraße parke ich die Ape und dann geht es zu Fuß weiter.



Die Mathew Street, in Liverpool eine ganz besondere Straße. Hier haben im Laufe der letzten Jahrzehnte viele, inzwischen weltberühmte Musikstars / -gruppen ihre Karriere begonnen. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort gespielt in Anwesenheit des richtigen Produzenten und die Karriere nahm seinen Lauf. Die wohl berühmteste Gruppe von allen waren die Beatles. Egal wo man hier hinschaut, es dreht sich alles um diese vier Pilzköpfe, die die damalige Jugend total verrückt gemacht haben und deren Musik auch heute immer noch einmalig ist. Ich bin zwar kein Beatles-Fan, finde ihre Musik aber trotzdem ganz hörenswert.

Ich stehe auch schon direkt vor dem Beatles-Museum und schau mir das näher an.



Für echte Beatles-Fans ist das hier wahrscheinlich ein Traum.



Es gibt Filme, Fotos, T-Shirts, Mützen, einfach alles. Die Preise sind teilweise gerecht, zum Teil aber auch völlig übertrieben.





Und dann stehe ich endlich vor dem "Cavern", dem Laden in dem für viele alles begann. Als völlig unbekannte Person rein, als Weltstar wieder raus.



In jeden Klinker ist der Name der Stars oder der Gruppe eingraviert, die hier ihre Karriere begannen. Einige habe ich fotografiert. Viele kenne ich aber auch gar nicht.















Ich gehe die Stufen runter...



... und stehe vor der Bühne, die für manche das ganze Leben geändert hat.



Singen kann ich nur ab zwei Atü im Blut. Nicht schön, aber sehr laut. Das einzige Instrument das ich beherrsche, das ist das Blockflötengesicht. Da es hier aber mehr erfordert zum Berühmtwerden, bestelle ich mir ein Guinness. Selbst die Tatsache, dass ich es schnell wegtrinke imponiert keinen Produzenten. Also schau ich mir den Laden näher an und gehe wieder.









Ich gehe die Mathew Street weiter runter und stehe vor John Lennon`s Bar. Irgendwie packt mich das innerlich, obwohl ich nie ein Beatles-Fan war. Dieser Mensch John Lennon, geboren am 09. Oktober 1940 in Liverpool,  war schon etwas ganz Besonderes. Musiker, Komponist, Autor und Friedensaktivist.

Er sowie Paul McCartney bildeten die erfolgreichste und berühmteste Komponistenpartnerschaft in der Geschichte der Popmusik. Er war also mitverantwortlich für eine völlig neue Ära der Musik. Die beiden stellten die ganze Welt auf den Kopf und schafften etwas was die zukünftige Musik völlig verändern wird. Und nun stehe ich hier vor der Bar von John Lennon !

Am 08. Dezember 1980 wurde John Lennon im Alter von nur 40 Jahren von einem Verrückten namens Mark David Chapman
in New York City erschossen.



Die Bar, die nun hier seinen Namen trägt und an ihn erinnern soll, ist die reinste Enttäuschung. Lieblos an die Wand geklatschte und schon zum Teil kaputte Zeitungsausschnitte, Poster und Plakate sollen ein bisschen Lennon- Atmosphäre verbreiten.



Das schmutzige und ungepflegte Drumrum aber macht das Beabsichtigte einfach nur kaputt.



Das Innere dieses Pubs, schrecklich. Paar Bilder von John Lennon an der Wand, ansonsten uninteressant. Die hier gespielte Musik, eine absolute Frechheit. Wenn ich in John Lennon`s Bar gehe, dann erwarte ich dort auch gespielte Musik von ihm. Schließlich hat er sehr viele und schöne Musik komponiert. Ansonsten macht es keinen Sinn einen Pub mit seinem Namen zum Gedenken an ihn zu führen. Was wird hier gespielt ? Techno !

Das hat John nicht verdient, Leute ! Dass es scheinbar viele andere genauso sehen wie ich bekomme ich dadurch bestätigt, dass hier kaum Gäste sind. Menschen, die hier reingehen, die gehen auch schnell wieder raus. Das ganze Ambiente und die Musik, das ist kein Stück John Lennon. Das ist alles
einfach nur sch****.

Sehr enttäuschend und nicht ein bisschen John Winston (Ono) Lennon, was dieser Pub hier bietet.



Man könnte sich den ganzen Tag in diese Straße setzen und würde immer wieder etwas Neues entdecken. Liverpool ist einfach nur verrückt ! Das meine ich absolut positiv. Die Leute, die hier erscheinen, sind zum Teil so was von schräg, man kommt aus dem Schmunzeln einfach nicht heraus.



Da gibt es knallharte Kerle, nach denen sich so manche Frau wohl umdrehen wird...



...oder auch schon mal eine Prinzessin, die Männerherzen zum Rasen bringt. 



Diese Menschen aber sind nicht verrückt oder haben sonst irgendwelche Leiden, sie sind einfach nur ausgeflippt, haben gute Laune, haben Spaß an ihrem Tun und drehen in dieser Straße so richtig voll auf.

In der Innenstadt fährt direkt vor meinen Augen ein Tuc Tuc vorbei. Insgesamt gibt es in Liverpool drei davon. Zwei mit Benzinmotoren und eines mit Elektroantrieb.



Die Innenstadt in Liverpool ist wie jede andere große Stadt. Ein Geschäft reiht sich an das nächste, die Menschen schieben sich reihenweise gegenseitig.



Man kann auch schon mal einfach den Kopf in den Eimer stecken, um sich ein paar Pfund zu verdienen.









Gegen Abend verlasse ich Liverpool. Die Stadt und vor allem die lustigen Leute haben mir verdammt gut gefallen.





In Lancaster fahre ich in einem riesigen Kreisverkehr, in dem sich sogar ein kleines Einkaufszentrum befindet, auf den Parkplatz. Ich habe Hunger und nutze die Gelegenheit zu einer erneuten Dusche.



Ich fahre noch bis nach Kendal und übernachte auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums. Morgen geht es dann weiter nach Lanark. Das wird ein anstrengender Tag werden. 220 Kilometer müssen bewältigt werden.

Gefahren bin ich heute 215 Kilometer.

Sonntag, 10. Mai 2015

"Lanark und Glasgow"

Am frühen Morgen schon geht es weiter. Kurz einen Happen pappiges, englisches Weißbrot reinwürgen, duschen und dann geht die Fahrt los. Ich werde einige Stunden unterwegs sein, bis ich Lanark erreichen werde.



Über Penrith geht es weiter...





...durch eine wunderschöne, sich langsam verändernde Gegend. Die Natur wird ein bisschen bergiger und die Weiden nehmen riesige Ausmaße an. Eingezäunt ist alles stets durch gestapelte Natursteine. Diese Mauern sind oft kilometerlang und müssen eine unheimliche Arbeit erfordert haben zum Aufbau.





Allerdings ist man in dieser Gegend auch ein bisschen leichtsinnig.



Das Essen steht hier in großer Zahl frei auf den Wiesen herum.







In Carlisle-High Hesket bekomme ich Hunger als ich diesen Laden sehe. Das eben noch gegessene Weißbrot war für die Katz'. Ich hätte auch genauso tief Luft holen können, um den gleichen Sättigungsgrad zu erreichen.



Also, rein in die gute Stube und die Speisekarte studieren. Viele leckere Speisen zum Frühstück werden hier angeboten. Selbstverständlich alles im typisch englischen Stil. Und der ist ???



Bohnen, Bratwürste, Speck, gebratene Pilze, Spiegelei und für das gute Gewissen noch eine Tomate. Dazu wähle ich einen Cappuccino und bekomme noch einen Teller mit - Weißbrot ! Diesmal getoastet. Ich kann das Zeug nicht mehr sehen. Das hätte man auch weglassen können, aber egal.

Ob es nun der Hunger war oder nicht, es schmeckt vorzüglich. Was zunächst für den Festlandbewohner sehr ungewöhnlich und befremdend wirkt, stellt sich im Nachhinein als eine vollwertige, äußerst schmackhafte Mahlzeit heraus.

Nun, es ist ja mittlerweile fast 11:30 Uhr. Da ist diese Mahlzeit ganz ok. Wenn ich mir aber vorstelle, so ein deftiges Mahl schon früh morgens um 05:00 Uhr vor dem Dienst zu essen, da wird mir doch ganz anders bei dem Gedanken. Daran könnte ich mich denn doch nicht gewöhnen. Wenn man das über lange Zeit morgens früh schon isst, und dann kommen ja noch die anderen Mahlzeiten dazu, da braucht man sich gar nicht wundern, wenn die Buchse Risse kriegt.

Alles gleichgültig nun, ich bin satt; und zwar mächtig satt.



Mehr als gut gestärkt geht es weiter...



...und um exakt 14:23 Uhr stehe ich in Gretna-Springfield vor dem schönsten Schild in ganz Großbritannien -
                                         
                                    "Scotland welcomes you".

Wie ich diese Grenze erst mal welcome ! Nach vielen jahrzehnten Gedanken und Wünsche, stundenlanges Lesen bis in die Nacht von Berichten über dieses Teilstück Erde, Schauen von Berichten im Fernsehen und Internet über dieses Land, Fantasien wie es wohl dort wirklich ist, stehe ich nun da und habe mir einen Traum erfüllt. Ich weiß überhaupt nicht wie ich mich nun fühlen soll. Soll ich mich nun freuen, heulen oder einfach nur losschreien ? Nichts von dem passiert. Ich stehe einfach da, schaue auf dieses Schild in eine sich seltsam fühlende Leere. Ich bin endlich da...

Am liebsten würde ich dieses Schild abschrauben und mitnehmen. Das geht aber natürlich nicht.



Die Gegend ändert sich immer mehr, das Wetter aber leider auch. Dunkle Wolken ziehen auf.



Noch ist es trocken...



... und ich bin unterwegs in einer verdammt einsamen Gegend.



Lange Zeit begegne ich keinem Menschen, was mir sogar ganz angenehm ist.



Die Natur ist traumhaft schön und ich erwische mich dabei, dass ich mit der Ape immer langsamer unterwegs bin. Schnell ist sie ja sowieso nicht. Die Schönheit dieses Fleckchen Erde lenkt mich aber so ab und ich bin so vertieft mit dem Betrachten, dass ich gar nicht merke, dass ich zeitweise mit nur 15 - 20 km/h durch die Landschaft tucker.



Ich komme an Städten wie Lockerbie, Dumfries und Abington vorbei und um kurz nach 17:00 Uhr erreiche ich Lanark. Mit Erreichen des Ortsschild bekomme ich die volle Breitseite der Natur zu spüren. Die Wolken öffnen sich - aber wie ! "It`s rainings Cats and Dogs. I am undesired."

Lanark ist eine schottische Kleinstadt in der Grafschaft South Lanarkshire. Hier leben rund 8250 Menschen.



Ich fahre ein wenig durch die Stadt.









Ape parken...



... und rein in eine Fish & Chips- Bude. Bisher habe ich von diesem Gericht immer nur gehört, hier in Lanark werde ich es das erste Mal zu mir nehmen.



Und zwar so wie man es hier isst - mit Salz und Malzessig. Da es das Essen hier nicht nur in der "take-away"- Variante gibt wie es meist der Fall ist, setze ich mich in das Restaurant an einen Tisch. Die
Fish-and-Chips-Shops in Großbritannien haben üblicherweise keine Lizenz zum Ausschank alkoholischer Getränke. Deshalb wird oft Tee dazugereicht. Mir schmeckt dieses Gericht sehr gut. Gerade der Malzessig gibt diesem Gericht die besondere Note.



Nach dem Essen fahre ich noch ein wenig durch Lanark...



...und schau mir einige schöne Häuser wie dieses an. Zu Fuß das alles zu betrachten verbietet das Wetter. Der Regen hört nicht auf.



Wenn ich schon mal hier bin, dann fahre ich natürlich auch nach New Lanark.
Hier, an der südlichen Stadtgrenze, liegt das ehemalige Baumwollfabrikationszentrum und heutige Weltkulturerbe.



Der Regen lässt ein wenig nach und ich kann mir diese interessanten Gebäude und das Drumherum in Ruhe anschauen.











Eigentlich wollte ich hier in Lanark noch ein wenig Zeit verbringen. Das Wetter ist aber dermaßen schlecht, mich hält hier nichts mehr. Ich fahre weiter - Glasgow steht auf dem Plan. Weit zu fahren habe ich bis dahin nicht, nur etwa 55 Kilometer. Als ich dort aber ankomme, steht die nächste Enttäuschung vor der Tür. Was für eine grässliche Stadt !

Wieder ein mal bestätigt sich, dass das Internet nicht immer die beste und zuverlässigste Quelle ist um Sehenswertes einer bestimmten Gegend / Stadt heraus zu suchen. Was im Netz gut aussah, stellt in Wirklichkeit genau das Gegenteil dar. Völlig uninteressant hier. Für mich zumindest.

Kurz durch Glasgow durch. Nichts fotografiert, weil es nichts zu fotografieren gibt und schon geht es weiter. Ich habe mir fest vorgenommen in die Geschichte einzugehen. Ich will der erste Mensch sein, der Nessie wirklich fotografiert, ohne Trickaufnahmen und Nachbearbeitung. Und genau aus diesem Grund ist mein nächstes Ziel "Loch Ness".

Ich fahre aber nur noch bis Luss. Das liegt etwa 50 Kilometer hinter Glasgow. Auf einem Hotelparkplatz lasse ich mich einfach nieder.

Gefahren bin ich heute 327 Kilometer.

Montag, 11. Mai 2015

"Loch Ness"

Draußen ist Betrieb. Ich höre Autos kommen und deren Türen werden zugeschlagen. Ein kurzer Blick aus der Heckklappe zeigt mir, dass das Leben hier am Hotel beginnt. Das Personal ist im Anmarsch. Da es hier verboten ist als Nicht-Gast zu parken, krabbel ich aus meiner Kiste, flute den Zylinder und verschwinde blitzartig. Bis zu Nessie sind es noch rund 80 Kilometer. Die Stadt "Fort Augustus" habe ich mir dort ausgesucht.



In Tarbet, rund 13 Kilometer weiter, sehe ich eine gute Stelle für mein Badezimmer. Also rauf auf den Platz, Ape aus und dann kann es losgehen. Nur, der Motor schaltet nicht ab. Ich drehe den Zündschlüssel, der Motor bleibt an. Ich krieg die Krise ! Bisher verlief alles problemlos. Wieso zickt das Bienchen nun hier rum ?

Sofort kommen mir die Gedanken, dass mein Händler Pasquale mir erzählt hat, dass es auf dieser Insel keinen Ape-Händler gibt, also auch keine Ersatzteile. Ich habe zwar einige Züge, eine CDI-Einheit und Kleinzeug mit; geht aber nun ein anderes elektrisches Teil kaputt, dann stehe ich da.

Noch einige Male drehe ich den Schlüssel hin und her, der Motor bleibt an. Was passiert, wenn ich ihn nun abwürge ? Startet er wieder ? Ich muss es riskieren. Gang rein, Kupplung und Bremse treten, Kupplung kommen lassen. Im gleichem Moment in dem ich den Motor abwürge, knallt die Hauptsicherung raus. 40 A ballern mal eben so durch ! Das war es dann wohl. Irgendwo hat es einen Kurzschluss gegeben. Ich könnte ko**** !

Erst mal die Ruhe bewahren. Duschen, frühstücken, überlegen. Eine 40 A- Sicherung als Ersatz habe ich mit, aber nur eine. Knallt die mir auch durch, ist Ende. Ich muss also noch einige besorgen, falls ich denn überhaupt gleich hier wegkomme. Vielleicht ist die Tour hier ja auch beendet und ich darf die Rückfahrt auf dem Abschleppwagen des britischen ADAC, hier heißt er AA, zurücklegen. Auf der Ladefläche eines Klein-Lkw möchte ich aber nicht die Fähre benutzen und auch nicht von Dunkerque nach Hause auf dem nächsten Abschleppwagen.



Nachdem ich alles wieder eingepackt habe, wechsel ich die Sicherung. Die Ape springt sofort an. Es ist absolut nichts davon zu merken, wieso das alles grad passiert ist. Nun ist natürlich die Frage, wie es weitergehen soll. Ich bin in den West Highlands und möchte bis an den nördlichsten Punkt überhaupt, nach Dunnet Head, fahren. Wie ich aber im Netz gelesen habe, ist dort auch das Ende der Welt. Ganz wenige Tankstellen, sehr rar bewohntes Gebiet. Ich gehe das Risiko ein. Entweder dieses italienische, technische Wunderwerk hält, oder aber ich bin für die nächste Zeit der Robinson Crusoe of Scotland.

Dosenfutter, englisches Brot, deutsches Knäckebrot und einige Paletten englischen Biers habe ich noch. Für zwei Wochen reicht es. Dann wird mich die Suchmannschaft vielleicht orten und einen total ausgehungerten, aber mächtig besoffenen Wilden an einer vor Wut demolierten schwarzen Kiste finden.

Die Fahrt geht weiter. Die Ape läuft gut. Trotzdem muss ja irgendwas passiert sein. So ohne Weiteres knallt die Hauptsicherung ja nicht durch.



Obwohl ich ein wenig gefrustet bin, kann ich trotzdem diese traumhafte Gegend genießen. Die Berge in der französischen Provence sind schon richtig klasse gewesen. Was die Natur aber hier bietet, das ist absolut unglaublich. Ich komme mir manchmal vor, als wenn ich auf einem anderen Planeten wäre.



Nicht nur das Wetter wechselt hier alle paar Minuten, auch die Landschaft. Völlig kahle Felsen reihen sich an dicht bewaldeten Stücken. Danach wieder mit Heide übersäte, riesige Teilstücke.



Ein Gewässer folgt hier dem nächsten. Winzig kleine Tümpel, mittlere Seen und große Gewässer reichen sich hier alle paar Meter die Hand. Kleine Bäche werden plötzlich zu reißenden Gewässern und verschwinden unangemeldet so wie sie aufgetaucht sind einfach in die Erde, um dann wieder irgendwo als kleiner Fluss zu entspringen.




Der Wind und das Klima hier, verdammt rau. Ist die Sonne am Himmel, reicht ein T-Shirt. Schieben sich Wolken davor, ist der Temperaturwert nur noch einstellig. So etwas Extremes an Natur und Klima habe ich bisher noch nie erlebt.





Auf den Bergen liegt in den höheren Lagen noch der Schnee. Die gigantische Größe mancher kommt auf den Fotos leider nicht rüber.



Mittig des Fotos, fast ganz links, ein Wohnhaus. So etwas sieht man hier des Öfteren. Einsam wie es einsamer gar nicht geht leben hier Menschen. Meist nur umgeben von der Natur an einem schönen See. Zu ihren Häusern kommen sie über Wege die oft gar nicht erkennbar sind. Ich frage mich bei so einem Anblick, wo die arbeiten, wo die einkaufen, wie sie im Winter bei tiefstem Schnee leben und was die wohl den ganzen Tag in dieser Wildnis machen.

An Steinen nuckeln und den ganzen Tag Holz hacken ist nicht grad erfüllend. Für eine Zeit könnte ich mir so ein Leben auch vorstellen, für immer aber nicht. Wenn meine Ape doch noch komplett den Geist aufgeben sollte, vielleicht lerne ich so ein Leben ja doch noch kennen. Ich hoffe, nicht.




Durch die West Highlands zu fahren ist ein echter Genuss. Wenn ich das hier sehe dann frage ich mich, was manche Leute eigentlich motiviert in eine fliegende Röhre zu steigen, von der man eh nicht weiß, ob sie wieder auf den Rädern landen wird, um dann irgendwo, gereiht wie so paar Ölsardinen in der Dose, mit dem Ar*** in der Sonne zu braten, damit man schön gegrillt nach Hause kommt für die Nachbarn. Gesehen hat man dann zwar nichts, aber das ist egal. Hauptsache man kann von einem weit entfernten Land vor den Nachbarn prahlen, von dem man aber nur den Strand, die Hotel-Bar und das Zimmer kennt. Was für arme Geschöpfe !



So was wie hier, das ist wahrer Urlaub. Nicht Leitplanken zählen. Durch die kleinsten Dörfer fahren, die abwegigsten Straßen, mit den Einheimischen sprechen. Nur so lernt man ein Land wirklich kennen. Auf dieser Tour lerne ich das gesamte Großbritannien kennen. Ich fahre von rechts nach links, links hoch bis an die Spitze und rechts runter bis zur Fähre. Einen Teil habe ich ja schon. Hoffentlich schaffe ich auch den Rest so, wie ich es mir vorgenommen habe.



Da wohnen die Nachbarn des eben noch gesehenen Hauses, ca. fünf Kilometer entfernt. Über die Grenze wachsende Bäume und Sträucher und sonstige Zaunstreitigkeiten sind da wohl ausgeschlossen.



Ballachulish, ein kleines Dorf.





Ich fahre durch Fort William und dokumentiere mal uhrzeitlich, wie schnell sich das Wetter hier ändert.

14:57 Uhr: Einfahren in den Ort Fort William. Der blaue Himmel wird plötzlich mit hellen Wolken überdeckt.



14:59 Uhr: Die Ape hält.

Die hellen Wolken werden schwarz, starker Wind kommt auf. War das Wetter vor zwei Minuten noch schön, droht nun ein Unwetter. Die Temperatur ist um etwa 15 Grad gefallen.




15:04 Uhr: Der starke Wind hat die schwarze Wolkendecke völlig aufgelöst. Sie verschwindet innerhalb kürzester Zeit im Nichts.



Von dem noch eben drohenden Unwetter ist absolut nichts mehr zu sehen und zu spüren. Die Temperatur steigt sofort wieder auf über 20 Grad. Diese Schwankungen habe ich auf meiner Fahrt durch Großbritannien sehr oft mitgemacht.







Noch 21 Meilen bis nach Fort Augustus. Der Himmel schwärzt sich mal wieder und entlädt sich.



Eine halbe Stunde später- warm und sonnig.



Und dann habe ich die nächste Etappe der Tour erreicht. Fort Augustus- das Tor zu Loch Ness. Cooles Feeling !



Am Anlegeplatz für Schiffe parke ich die Ape und laufe ein wenig durch Fort Augustus. Zum Glück lässt sie sich per Zündschlüssel abschalten. Vielleicht ist ja doch alles in Ordnung. Wer weiß...



Immer nur hört und liest man von diesem ganz besonderen Fleck in Schottland. Nun stehe ich mitten drin; und zwar mit meinem Bienchen.



Hier werde ich gleich noch meine nächste Portion Fish & Chips essen.



Ich fahre mit der Ape direkt an den See.



Loch Ness ist ein sehr schönes und vor allem sehr großes Gewässer. Bewaffnet mit der Kamera halte ich Ausschau nach Nessie - nichts zu sehen ! Und doch soll Nessie mir später in seiner vollen Lebensgröße über den Weg laufen. Was bisher als Legende gehalten wurde, bewahrheitet sich doch. Nessie lebt wirklich !





Unweit sehe ich eine Autowerkstatt, die noch geöffnet hat. Ich frage den Mechaniker dort nach einer 40 A- Sicherung. Zunächst erklärt er mir, dass er so etwas nicht habe, aber mal nach hinten auf den Hof gehe um nachzuschauen, ob er was findet. Tatsächlich kommt er mit zwei Sicherungen zurück. Eine hat 30, die andere 50 Ampere. Nicht unbedingt das was ich brauche. Zur Not könnte die 30er ja auch funktionieren, die 50er werde ich aber gegebenenfalls auf keinen Fall einsetzen. Im Extremfall könnte es dann einen Kabelbrand geben.

Ich suche einen anderen Parkplatz auf. Der Motor lässt sich nun nicht per Zündschlüssel abschalten. Da ich einen erneuten Defekt der Sicherung verhindern möchte, drehe ich einfach den Benzinhahn zu und warte. Es dauert eine Weile, aber dann geht der Ape der Saft aus und der Motor ebenso. Nicht die feine englische Art, aber es klappt.




Ich besuche den "Rare Breeds Park", In deutsch sinngemäß "Park seltener/ ungewöhnlicher Rassen". Bin mal gespannt...



Der Eintritt beträgt zwei Pfund und man zahlt ihn freiwillig. Die Tore sind geöffnet und am Eingang ist ein Briefkasten, in den man das Geld einwirft. Von dem Eintrittsgeld wird Futter für die Tiere gekauft und die Anlage instand gehalten.




Das Tiergehege ist nicht vergleichbar mit einem Zoo. Die Tiere werden hier aber artgerecht gehalten, wenn man das denn überhaupt von Tieren hinterm Zaun sagen kann. Die Gehege und Stallungen sind sauber und das Futter sieht frisch aus.







Für die Ziegen hat man hier, ob künstlich angelegt oder von Natur aus so, einen Berg zum Klettern geschaffen.



Bei dem Anblick fällt mir ein, dass ich ja noch essen gehen wollte...









Ich gehe noch durch die Stadt. Die meisten Geschäfte haben aber zu dieser späten Stunde schon geschlossen.



Der kleine Hafen. Hier liegt u.a. ein Schiff, mit dem man den See befahren kann.







Die Schleuse, die auf Grund des starken Wasserhöhenunterschieds mehrere Schleusentore hat. Die Schiffe fahren nicht hier durch, sie werden an Tauen von einem Tor zum nächsten gezogen.



Und endlich sehe ich Nessie ! Original und in Lebensgröße ! Ganz schön drahtig das Tier. Dass Nessie aber ziemlich dämlich dreinschaut, enttäuscht mich denn doch ein wenig. Wenigstens habe ich aber nun den Beweis erbracht, dass Nessie keine Legende ist.

Das erste, unverfälschte Foto von Nessie am Loch Ness. Und dann noch auf meiner Homepage, von mir eigenhändig entdeckt und fotografiert. Ich bin mächtig stolz, das nun der Menschheit präsentieren zu können.



Noch immer gepackt von den vielen Erlebnissen des heutigen Tages lege ich mich in die Koje und schlafe sofort ein.

Gefahren bin ich heute 82 Kilometer.


Dienstag, 12. Mai 2015

"Die Burg des Highlanders,
Eilean Donan Castle in Dornie"

Um 09:00 Uhr erst werde ich wach. Duschen und bisschen die Ape aufräumen. Es ist schon 11:00 Uhr, als ich frühstücken gehe.



Danach schau ich noch ein wenig Fort Augustus an. Groß ist diese Stadt nicht und ich habe schnell alles abgelaufen.





Ich schlender durch die kleinen Läden und hier und dort kaufe ich etwas.





Meine Ape ist nun "scotish" gerüstet.



Dann geht es weiter. Dornie ist nur knapp 80 Kilometer entfernt.



Ich bin wieder völlig fasziniert von den Highlands und tucker ganz gemütlich meinen Weg.



Die Ape läuft gut. Das Abschalten und Starten des Motors ist kein Problem. Vielleicht war ja alles nur ein einmaliger Fehler und die Sache hat sich von selbst repariert.



Die Überbleibsel überfahrener Tiere bleiben, so habe ich in ganz Großbritannien bisher festgestellt, grundsätzlich liegen. Ob diese nun auf oder neben der Straße verenden, hier wird der Kadaver den anderen Wildtieren wohl immer überlassen. Dieser Überrest ist noch der ansehnlichste. Es gibt da noch ganz andere Exemplare.

In England waren es sehr viele Dachse, die tot an der Straße lagen. Bei 50 hatte ich aufgehört zu zählen. Hier in Schottland ist es das Rotwild, was hier der unnatürlichen Auslese durch ein Fahrzeug zum Opfer fällt.



Zwischendurch komme ich durch kleine Dörfer, die oftmals nur aus einigen Häusern bestehen. Geschäfte habe ich aber bisher keine gesehen.






Am frühen Abend dann bin ich am Etappenziel - die Burg des Highlanders.

"Es kann nur einen geben !" Von wegen Connor Mac Leod aus dem Clan der Mac Leod. Ich bin es - mit der Ape aus Deutschland.




Tickets zur Besichtigung dieser kleinen, aber sehr schönen Burg kann man nur bis 17:00 Uhr kaufen. Hierzu komme ich also einige Minuten zu spät. Das macht aber überhaupt nichts, da ich sowieso die Nacht hier verbringen und die Burg erst morgen näher ansehen möchte.

Auf einem nah gelegenen Campingplatz, hier kostet eine Übernachtung nur fünf Pfund, stelle ich meine Ape ab. Neben mir ein englisches Ehepaar, dann folgen Holländer und Norweger. Gegenüber ein paar englische Jungs die mit zwei Autos durch Schottland unterwegs sind und erklären, dass sie es als Engländer
nicht gern zugeben, aber Schottland ist der schönste Fleck auf dieser Insel. Dieser Jahrhundert währende Krieg zwischen England und Schottland findet in den Köpfen der Menschen dort also immer noch statt.

Am Abend kommt jemand über den Platz und verteilt Visitenkarten einer um die Ecke gelegenen Bäckerei. Wir unterhalten uns zunächst auf englisch bis uns klar wird, dass wir beide aus Deutschland stammen. Dadurch, dass ich den unteren Teil der Heckklappe nach unten geklappt habe, kann er das Kennzeichen der Ape nicht sehen. Dann geht es aber in deutscher Sprache weiter und er erklärt, dass er vor zwei Jahren hierhin gezogen ist. Seit vielen Jahren macht er schon Urlaub in Schottland, nun hat er sich ganz hier niedergelassen.

Mit seiner Frau, eine gelernte Bäckerin, hat er hier einen Laden eröffnet. Mittlerweile kommen die Leute von weit her und kaufen bei ihnen Brot nach deutscher Backkunst. Da deren Weg oft sehr weit ist, kaufen sie gleich mehrere und frieren einige als Vorrat ein. Die Kunden sagen selbst, dass es kein besseres Brot gibt als das deutsche. Viele Geschmacksrichtungen, verschiedenste Rezepte. Sie sind also ihre eigene zu kaufende Pampe, ein Gemisch aus Nichts, wohl selbst Leid.

Heute bin ich 82 Kilometer gefahren.

Mittwoch, 13. Mai 2015

Um 08:00 Uhr springe ich aus den Federn und mache mich auf den Weg zum deutschen Bäcker. Was für ein reichhaltiges Angebot er doch hat. Ich kaufe mehr als ich beabsichtigt habe.

Warum die Leute von weit her zu ihm kommen, kann ich nun verstehen. Sehr lecker seine Ware. Ich werde endlich mal satt zum Frühstück.


Ticket kaufen und dann ab in die Burg. Es ist ein sehr interessantes Gefühl zu wissen, dass ich nun an einer Burg bin, die ich in einem Film gesehen habe und der mich total faszinierte. Nebenbei erfahre ich, dass das
Eilean Donan Castle die meist fotografierte Burg und Neuschwanstein das meist fotografierte Schloss sind.



Kurz über die Brücke gelaufen, die für den Film ein bisschen mehr dekoriert war. Hier muss ja richtig was los gewesen sein bei der Produktion.



Die Burg ist sehr übersichtlich, aber auch sehr schön. Gerade dieses Überschaubare und diese faszinierende Lage machen einen gewissen Reiz aus.



Wie immer an solch alten Gemäuern, wird auch hier dran gearbeitet und repariert oder restauriert. Ein Leben auf dieser Burg könnte ich mir gut vorstellen. Es ist alles nicht so übertrieben groß und verschwenderisch. Im Gegenteil, es wirkt alles sehr harmonisch und wohnlich.



Ein Blick auf den See.







Dann geht es in das Innere der Burg, die schön eingerichtet ist und sehr wohnlich wirkt.













Von der Burg aus, ein Blick auf den Parkplatz wo meine Ape steht. Habe noch mal in den Film geschaut. Dort war ein Dorf aufgebaut, das Kassen- / Souvenirhäuschen wurde wegretuschiert.



Die Reise geht weiter in Richtung Ullapool.







Mal geht es bergauf, mal ein bisschen bergab.





Und immer wieder diese Unmenge an kleinen und größeren Gewässern.



In Achanalt - Pause. Zeit, um etwas zu Mittag zu kochen.



Auf dem Programm: hausgemachter Eintopf aus der Dose. Dosenfutter ist noch nie mein Ding gewesen und eher was für Hund und Katz. Hier aber geht es. Viele Möglichkeiten habe ich in dieser Wildnis ja nicht.



Auch in Schottland gibt es grünen Strom, hergestellt durch Wasserkraft.



Da soll mal einer sagen, dass Schotten geizig seien ! Damit niemand über dieses meterhohe und unüberwindbare Tor kommt, hat man es entsprechend gesichert. Gleich zehn ! Schlösser sichern diesen Eingangsbereich. Ich muss richtig loslachen, als ich dieses Kunstwerk erblicke.







Kurz vor 18:00 Uhr ist Ullapool erreicht. Das Schild zeigt, wie viele andere zuvor auch, die englische und schottische Schreibweise.



Ein wunderschönes, kleines Dorf in einer total verlassenen Gegend. So etwas habe ich hier nicht erwartet. Ullapool ist ja fast eine Stadt.





Die Fischerboote liegen im Hafen.





Ich gönne mir ein Eis. Die Leute nicken mir zwar freundlich zu, angesprochen wie sonst werde ich aber nicht. Man hält sich sehr zurück. Ich hätte doch den silbernen Overall anziehen und den Helm mit den Antennen aufsetzen sollen.



Ich wurde noch nie so misstrauisch beobachtet wie in Ullapool. Trotzdem schaue ich mir diesen Fleck an, bevor ich den Weg fortsetze. Seltsame Menschen hier !

Die Gegend, in der diese stummen Kreaturen wohnen, ist allerdings traumhaft.

















In Lairg, Ruinen. Die Überreste des Ardvreck Castle.



... und das Calda House. Aufgestellte Tafeln erzählen die Geschichte dieser geheimnisvollen Gebäude.










Ich komme in Scourie More an und entdecke einen tollen Campingplatz. Drauf gefahren, Ape abgestellt und sofort die Kamera gezückt. Der Rest der Camper steht auch schon bereit. Was da manche für Apparate auf ihren Stativen haben ! Ich stelle mich ganz bescheiden in eine Ecke mit meiner teuren Fotoausrüstung, Fotoapparat aus dem Sonderangebot von Netto und iPhone. Ich bin trotzdem zufrieden mit dem Ergebnis.



Mit paar Dosen Bier bewaffnet sitze ich bei geöffneter Heckklappe, eingemummelt in eine warme Decke, und schau nach draußen. Es ist saukalt geworden und der leichte Wind ist richtig eisig.



Ein Engländer, der neben mir parkt, erzählt mir seinen Traum von der eigenen Ape. Er kennt dieses Gefährt nur zu gut. Bisher hielt ihn der Kauf wegen der fehlenden Händler und Ersatzteile ab. Irgendwann aber möchte er ihn sich doch erfüllen.

Dann kommt ein Schweizer vorbei und achtet gar nicht auf das Kennzeichen meiner Ape. Wir unterhalten uns zunächst in englisch. Zitat: "Ich habe zwar ein Wohnmobil und mehr Platz. Ich bewundere Sie aber trotzdem. Ihre Fahrt macht bestimmt mehr Spaß !" Natürlich macht sie das ! Mit einem Wohnmobil zu fahren ist ja nur Urlaub. Mit der Ape zu fahren ist ein Abenteuer. Apropos Abenteuer: bisher kann ich den Motor immer noch mit dem Schlüssel ausmachen. Es klappt alles ganz normal.

Dann sieht er mein Kennzeichen und das Unheil nimmt seinen Lauf. Habe ich ihn bisher noch gut verstanden und die Unterhaltung war sehr gut, so verstehe ich nun absolut kein Wort mehr. Schweizer Dialekt ! Zwischendurch habe ich immer den Eindruck ihm helfen zu müssen. Das hört sich an, als ob er kurz davor wäre sich zu übergeben, nach Luft schnappt oder gleich seine Zunge verschluckt. Was für ein Geschnorchel ! Das Englisch klappte jedenfalls besser als das was da nun zum Vorschein kommt. Egal, er meint es gut. Und ich kapier nix...

Nachdem das Bier vertilgt ist hau ich mich hin. Es ist 23:00 Uhr und immer noch nicht richtig dunkel. Mit den vielen Eindrücken des Tages schlafe ich ein und nichts stört meinen erholsamen Schlaf.

Gefahren bin ich heute 206 Kilometer.


Donnerstag, 14. Mai 2015

"The End of the World is nigh !"

05:00 Uhr - wach ! Ich krabbel aus meinem Bettchen und schau mir die Gegend an. Die Sonne kommt langsam hoch und es wird richtig kalt. Der Wind, vom Meer kommend, verstärkt diese Kälte noch. Dicke Jacke, Mütze, Fotoapparat. So wandere ich allein durch die Gegend. Der Engländer von gestern Abend schläft in einem Zelt, nur ein paar Meter neben meiner Ape.

Den Geräuschen nach, die er so von sich gibt, läuft er bestimmt noch nicht lang aufrecht. Wie so ein Ur-Vieh schnaubt er. Ich frage mich, mit welch einem Akzent der Schweizer wohl schnarcht.



Gelb eingekreist, das größte Wohnmobil auf dem ganzen Platz.



Von 23:00 Uhr - 06:00 Uhr darf man hier kein Fahrzeug bewegen. Musik und Unterhaltung ist nur in dem Rahmen erlaubt, dass der Nachbar nichts davon hört. Ich muss mich also noch gedulden.




Die Duschen sind noch geschlossen und ich beschließe, die paar Minuten bis 06:00 Uhr noch ein bisschen auf der Matratze zu verbringen. Die Klappe lasse ich auf und schau ein bisschen in die Natur. Irgendwann aber schlafe ich plötzlich ein. Da hier wirklich jeder auf den anderen Rücksicht nimmt, ist es auch sehr leise auf dem Platz und ich wache erst um 09:30 h wieder auf. Ich habe noch über drei Stunden geschlafen. Einerseits ärgert mich das, weil mir so Zeit für den Tag flöten geht; auf der anderen Seite, ich habe ja Zeit.



Als ich wieder wach werde steht die Sonne hoch am Himmel und die Kälte von heute morgen ist einer molligen Wärme gewichen.



Nach Beenden der üblichen Zeremonie am Morgen geht es weiter. Das Zwischenziel soll Durness sein.



Überwiegend völlig allein fahre ich durch eine Gegend bei der man gar nicht weiß, was schau ich zuerst an ? Die meisten Straßen in den Highlands haben nicht die übliche Breite. Sie bestehen aus nur einem Fahrstreifen für beide Fahrtrichtungen. Wechselseitig kommen aber in unregelmäßigen Abständen Ausweichbuchten, "Passing Place". Wer den Entgegenkommenden zuerst sieht, der fährt in diese Bucht und wartet bis der andere vorbei ist. Das klappt hier wunderbar.

Oft stehen der Entgegenkommende in seiner und ich in meiner Bucht. Er will mich fahren lassen, ich ihn. Durch Kommunikation mit den Scheinwerfern und Zuwinken wird sich dann geeinigt. Meist darf ich zuerst fahren. Irgendwann habe ich verstanden, wieso. Die wollen meine Ape sehen. Wenn ich schön langsam da angehoppelt komme haben die Leute mich länger im Blick, als wenn sie schnell an mir vorbeihuschen. Man freut sich, lächelt und winkt mir jedes Mal zu. Irgendwie ist das lustig und es ist sehr angenehm diesen freundlichen Menschen zu begegnen. Das hebt die eigene Laune ebenfalls.






Nach etwa 60 Kilometer Fahrt, wofür ich durch meine Klüngelei rund 2,5 Stunden brauche, komme ich in Durness an. Schottland ist faszinierend. Kilometerlang nur schönste Landschaft, dann mal ein vereinzeltes Haus oder ein Stall, hinter der nächsten Kurve eine Stadt. Völlig aus dem Nichts. Stadt im üblichen Sinne ist dies hier allerdings nicht, eher ein Dorf.





Hier findet heute etwas Besonderes statt. Wie verrückt, im positiven Sinn gemeint, diese Inselbewohner sind, merkt man hier sehr deutlich. In den schrägsten Kostümen verkleidet findet hier heute ein Strandlauf statt. In dieser einsamen Gegend scheint das etwas Außergewöhnliches zu sein. Irgendwie muss man sich ja hier die Zeit vertreiben. Die Leute sind gut gelaunt, lachen sich über sich selbst schief, fotografieren sich gegenseitig. Hier ist die Welt noch irgendwie so richtig in Ordnung.




Während man die letzten Vorbereitungen trifft, ...



... gehe ich am Strand spazieren.



Ich höre den Startschuss, lautes Gelächter, Gegröle und Anheizen der Laufenden durch die Zuschauer. Ich schau mir das Ganze an und muss grinsen. Was für ein Haufen Ausgeflippter und Verrückter !

Wegen ihres Kostüms können manche gar nicht richtig laufen. Es rutscht hier und da, die aufgesetzte Maske versperrt die Sicht oder aber man stolpert mehr als dass man läuft, weil die Schuhe eher Dekoration als zum Laufen geeignet sind. Es ist ein Bild zum Totlachen ! Weil das alles aber so verrückt ist, ist es unglaublich gut. Wo sieht man sonst eine große Menschenmenge die sich die Bäuche vor Lachen hält und wo jeder Teilnehmer über sich selbst lacht, wenn er bei einem Wettlauf Fehler macht und dadurch wahrscheinlich verlieren wird ?

Diese Menschen sind mir sehr sympathisch. Kinder schreien wie wild ihrem Favoriten zu, springen vor Aufregung hin und her. Dieses Gekreische und Lachen der Kinder ist für mich reinste Musik in den Ohren.

Der Lauf ist nicht lang, nur so etwa zwei Kilometer. Die Läufer hat man dabei die ganze Zeit im Auge. Den Strand rauf, hinter einem Felsen umdrehen und zurück. Wer da jetzt gewonnen hat, ich weiß es nicht. Was da im Ziel ankam war jedenfalls nicht was vorher loslief. Manche Kostüme waren so verrutscht, dass der darin Befindliche mehr Stoff in der Hand hatte als am Körper. Jeder nahm jeden in den Arm, man beglückwünschte sich und kam aus dem Lachen nicht heraus. Dieser Lauf dient wohl mehr dem Spaß als dem Wettbewerb. Verlierer gibt es wohl keine.



Ein Stückchen weiter befindet sich eine Chocolaterie.



Die angebotene Ware sieht nicht nur sehr lecker aus, der Preis ist es auch. Für 100 Gramm Schokolade kann ich den halben Tank mit Benzin füllen. Auf Schokolade fährt meine Ape aber nicht ...





Angeblich soll die heiße Schokolade sehr lecker sein. Der Optik nach sieht sie nach vier Pfund aus, schmeckt zwar wie drei, kostet aber sechs. Man gönnt sich ja sonst nichts !



Ich fahre weiter in Richtung Nordosten.



Das Wetter, bombig. Die Gegend, traumhaft. Menschen, keine.



Hier eine Familie, die mit ihrem Gehöft direkt eine ganze Insel ihr Eigen nennen darf.



Einsam ziehe ich weiter...





... fahre über verlassene Straßen...



... treffe zwischendurch auf ganz allein stehende Häuser...





... mache im Schatten eines kleinen Berges eine kurze Rast, da es doch sehr warm geworden ist...



... und treffe mitten in der Wildnis, wo absolut gar nichts ist, auf eine Telefonzelle. Sie funktioniert sogar.



Ein kleiner Boxenstop in Melvich.







Ich komme durch Caithness...





... wo einsam ein paar Häuser stehen...



... und in Thurso an. Diese Stadt ist etwas größer als die Dörfer, denen ich unterwegs begegnet bin.



Im Zentrum gibt es zahlreiche Geschäfte.







Und dann komme ich an den entferntesten Punkt dieser Reise an, in Dunnet.





Ich muss noch ein kleines Stückchen fahren, um an den nördlichsten Punkt dieser großen Insel anzukommen - am Dunnet Head !



Hier stehe ich nun mit meiner Ape, 1680 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt. Hier oben ist wirklich Ende mit Großbritannien. Danach kommt nur noch Wasser. Jeden Kilometer, den ich nun mit der Ape fahren werde, der geht in Richtung nach Hause.







Anschließend fahre ich zum "John O'Groats". Bei der Planung der Tour wurde dies als Pflichtbesuch im Internet angepriesen. Warum, weiß ich jetzt nicht.



Schön sieht es hier aber trotzdem aus, obwohl zu dieser späten Stunde nichts mehr los ist.





Fangkörbe der Fischer.



Zu später Stunde, es ist schon dunkel, geht es zurück nach Thurso. Die Reserveleuchte ist schon lang an. Ob ich es also bis zu einer Tankstelle in Thurso schaffen werde, Risiko. Ob überhaupt nachts dort eine geöffnet hat, unbekannt. Juckt mich auch alles gar nicht besonders. Bleibt die Ape stehen, ich habe genügend Kanister mit. Und - sie bleibt stehen. 11 Kilometer vor Thurso ist nachtanken aus Kanistern angesagt.

Insgesamt habe ich 60 Liter Reservebenzin mit. Das Gerede, dass das Tankstellennetz hier in Schottland sehr spärlich ist, das stimmt nicht. Sicherlich liegen schon mal 100 Kilometer zwischen zwei Tankstellen; wenn man aber jedes Mal voll tanken würde, dann bräuchte man gar keine Reservekanister mitnehmen. In einem Pkw mit viel größeren Tank sowieso nicht. Aber, Vorsorgen kann trotzdem nie schaden. Wenn mal eine Tankstelle geschlossen oder defekt ist, dann kann es sicherlich mal eng werden.

Obwohl Thurso keine kleine Stadt ist, ist es nicht ganz so einfach einen geeigneten Stellplatz zum Übernachten zu finden. Letztendlich parke ich an einer Hauptstraße und schlafe um Mitternacht ein.


Heute habe ich 262 Kilometer zurückgelegt.

Freitag, 15. Mai 2015

"Die Hauptstadt der Highlands- Inverness"

Meine Übernachtungsstelle.



Zum Duschen und Frühstücken ist sie allerdings ein wenig ungeeignet und deshalb fahre ich los. Ich werde eine schönere Stelle finden.



In Dunbeath stoße ich auf einen sehr ruhig gelegenen Rastplatz. Er liegt direkt an einem Fluss.







Dusche aufbauen und anschließend an einem der Tische gemütlich frühstücken.



Etwa 150 Kilometer schöne Gegend habe ich nun zu durchfahren, bis ich an meinem nächsten Etappenziel ankommen werde.







Da ich reise und nicht rase, mache ich zwischendurch immer wieder kleine Pausen, betrachte die Gegend, koche mir einen Kaffee.



So brauche ich für die 190 Kilometer von Thurso bis nach Inverness rund acht Stunden. Gegen 17:00 Uhr bin ich angekommen.




Hinter einem kleinen Wohnmobil stelle ich meine große Ape und erkunde die Stadt zu Fuß.



Inverness selbst ist ein Traum von Stadt. Hier einige Fotos.





Zwischendurch tauchen mal einige Wolken auf, es bleibt aber trocken. Durch die unterschiedlichen Grautöne des Himmels aber entstehen schöne Fotos, wie beispielsweise dieses hier:









Wie das Wetter bisher immer war in Großbritannien, so ist es auch hier. Wolken kommen und gehen und dann knallt die Sonne vom Himmel herab...





... oder die Wolken tauchen für einige Minuten mal wieder auf.






In einer Pizzeria esse ich gut und treffe dort auf ein junges Mädchen, das dort bedient. Sie ist ein Kind von einem Briten und einer eingewanderten Deutschen. Beide Sprachen beherrscht sie natürlich perfekt.

Gegen Abend geht es weiter. Edinburgh soll das nächste Ziel heißen. Bis dahin sind es aber über 260 zu fahrende Kilometer.

Auf Nebenwegen setze ich zunächst die Fahrt fort. Die Straßen, die ich hier befahre, sind eher mit Wegen vergleichbar. Ab und zu geteert, manchmal einfach nur fest gefahrener Schotter. Begegnungen mit Menschen sind selten.




In Aviemore, nur etwa 55 Kilometer weiter, eignet sich ein Parkplatz zum Übernachten. Lust zum Weiterfahren habe ich nicht und verbleibe dort.

Die Ape fährt gut. Nur mit dem Ausmachen habe ich zwischendurch immer wieder Probleme. Die einzige
und wohl schonendste Lösung ist das Zudrehen des Benzinhahns. Sollte es so weitergehen, ist es nicht so dramatisch. Es ist dann zwar immer umständlich, vor allem beim Tanken, ich komme aber weiter. Die Frage, die ich mir aber stelle ist, wie lang noch ?

Heute habe ich 234 Kilometer zurückgelegt.

Samstag, 16. Mai 2015

"Edinburgh und der letzte Tag in Schottland"

06:30 Uhr, Zeit zum Aufstehen. Dusche, Frühstück und Abfahrt. Es sind noch über 200 Kilometer zu fahren.



Der Himmel treibt sein übliches Spiel...



... die Landschaft lädt zum Träumen ein.









Es ist kurz nach Mittag, als ich in Edinburgh eintreffe.





Die Stadt - wunderschön.



Die Parkgebühr - nicht wunderschön. Eben britisch.



Das Hardrock- Café ist hier natürlich Pflicht für mich und reißt mal wieder ein großes Loch in die Urlaubskasse.







Die Burg von Edinburgh.



Ich wandere durch die Stadt und schau jeden Winkel an.











Gegen Abend reise ich weiter...



... und in der Nähe von Jedburgh habe ich dann diese Zahlen auf dem Tacho meiner Ape stehen.



19:26 Uhr, Schottland ist vorbei. Ich überfahre die Grenze nach England wieder.



Nach 333 Kilometern komme ich in Berwick an und schlafe in einer ruhigen Ecke des Parkplatzes eines Einkaufszentrums.


Sonntag, 17. Mai 2015

"Alnwick - und das vorläufige Ende der Reise"

Meine Übernachtungsstelle, ganz in der Ecke einer Mauer. Die Nacht war ruhig. Nach der Dusche fülle ich an der nahe gelegenen Tankstelle meine Wasservorräte auf und...



... ich gehe frühstücken. So langsam gewöhne ich mich an die Morgenmahlzeit.



Das ist mein nächstes Ziel - Alnwick. Es sind nur 50 Kilometer bis dahin.



Nach ein paar Kilometern Fahrt meldet sich zwischendurch die rote Kontrollleuchte. Die Batterie wird während der Fahrt nicht richtig geladen. Mal ist die Leuchte aus, mal schwach, mal ganz hell. Es muss also doch mehr kaputt gegangen sein, als ich bisher vermutete.

Bis nach Hause sind es noch über 1000 Kilometer. Das kann ja heiter werden. Hoffentlich hält die Ape das aus.




Ein Weg, wie ich viele dieser Art auf dieser Tour schon gefahren bin.



Zwischendurch mache ich zwar mal einen kleinen Boxenstop, lasse den Motor aber laufen. Wie der Zustand der Batterie nun ist - keine Ahnung. Die Blinker funktionieren jedenfalls noch. Das Licht habe ich ausgeschaltet. So schone ich die Batterie etwas, um so weit wie möhlich zu kommen, falls gar nichts mehr geht.







Der Fluss ist ein wenig höher als normal. Der gesamte Regen der letzten Tage hat sich wohl in diesem kleinen Bach gesammelt, so dass er angestiegen ist.



Handbremse anziehen, aussteigen. Tiefe abschätzen durch Werfen eines größeren Steins. Es müsste passen. Zurück fahren möchte ich nicht. Seit etwa 10 Kilometern ging seitlich keine Straße ab. Bleibe ich im Wasser stecken, habe ich das ganz große Los gezogen. An beiden Seiten geht es bergauf. Schieben unmöglich. Menschen gibt es hier keine.

Ich riskiere es trotzdem und komme unbeschadet durch.


Gegen 11:00 Uhr komme ich tatsächlich in Alnwick an. Die Kontrollleuchte spinnt rum, ansonsten klappt alles bestens. 



Zuerst fahre ich durch die Stadt...







... dann suche ich einen Parkplatz am Schloss. Für einen Pfund kann man hier einen Stadtplan ziehen. Den möchte ich gern haben, da ich mich hier in der Partnerstadt meiner Heimatstadt befinde.

Ich werfe die Münze ein, der Automat surrt ein wenig - kein Plan kommt raus.



Nachdem ich mir den Automat genauer ansehe, entdecke ich im unteren Bereich einen kleinen Schlitz. Dort steckt nicht nur "mein" Stadtplan fest, sondern gleich mehrere.

Kurz zur Ape, Werkzeug holen. Ich habe den Plan bezahlt, also will ich ihn auch haben !

Ich kann mich jetzt nicht mehr genau daran erinnern wie ich es gemacht habe, aber ich halte meinen Plan nach kurzer Zeit in der Hand...

Der Weg zum Schloss und zum Park. Hier wurde u.a. ein Harry Potter Film gedreht. Welcher, weiß ich nicht. Habe keinen davon gesehen.



Der Park ist sehr weitläufig und schön angelegt.















Im Park gibt es ein riesiges Baumhaus, welches ein Restaurant und kleine Bistros enthält. Die Bäume wachsen hier regelrecht durch die Räume.











Das Schloss selbst. Optisch sehr ansprechend und ganz schön groß.















Neben Restaurant, Tagungsräumen und zu besichtigende Räumlichkeiten die man nicht fotografieren darf, hat dieses Schloss sogar eine Geisterbahn.





Die Ape habe ich so geparkt, dass ich sie notfalls allein anschieben kann - leicht bergab. Ich weiß nicht, wie lang die Batterie das noch mitmacht und ob sie dann eventuell zu schwach sein wird den Motor zu starten.

Bis nach Nottingham sind es noch knapp 330 Kilometer. Das soll eigentlich das nächste Ziel sein. Ich schaffe noch knapp 90 Kilometer mit immer mehr funkelnder Kontrollleuchte. Es dämmert. Ich möchte die Batterie nicht überlasten und mit Licht fahren. Ich bleibe in Seaham stehen.

Nun ist guter Rat teuer. Hat der Dynastarter eventuell doch einen Kurzschluss abgekommen ? Für die Nicht-Ape-Fahrer: Der Dynastarter ist ein kombiniertes Bauteil aus Lichtmaschine und Anlasser. Wenn ein Teil kaputt ist, kann man direkt das ganze Ding kaufen. Eine völlig idiotische Idee. Es ist aber nun mal so. Italienische Baukunst.

Wenn ich weiter fahre, was wird letztendlich passieren ? Ich habe eine CDI- Einheit als Ersatz mit. Eigentlich kann es nicht an ihr liegen, sondern eher am Relais der Lichtmaschine oder an der Lichtmaschine selbst. Ich wechsele sie trotzdem. Der Erfolg bleibt aus und die Kontrollleuchte an.

Theoretisch könnte ich "auf Batterie" weiter fahren. Viel Strom braucht der Zündfunke nicht. Das Licht und sonstige Stromquellen bleiben dann halt aus. Nur, wenn der Saft alle ist, wo und wie lade ich die Batterie nach ?

Ich entschließe mich dazu, mal Ronny anzurufen - mein persönlicher Schraubergott "aus dem Hause Pasquale Ricci". Ich gebe ihm die auftretenden Probleme durch. Was er mir da erzählt, klingt nicht erheiternd. Ich glaube, die Tour wird hier in Seaham ihr Ende finden. Wieso gibt es hier keine Ape-Händler und Teile ? Ich könnte ko****. Da könnte man die entsprechenden Komponenten mal eben durchmessen, wüsste was defekt ist, ich könnte die Neuteile einbauen und weiter fahren. Hätte, Wenn und Aber nützt jetzt alles nichts ! Ich sitze fest.

Ronny und ich vereinbaren, dass er sich bis morgen eine Lösung ausdenkt um mir zu helfen. Machen kann ich jetzt eh nichts mehr. Es ist stockdunkel und an Teile komme ich jetzt sowieso nicht.

Glücklicherweise habe ich noch einige Dosen Bier da. Weil ich grad derart gute Laune habe, total motiviert und kein Stück gefrustet bin, macht es einige Male "Zisch und Klack", Kopf in Nacken - leer. Von wegen Alkohol löst Probleme ! Ape kurz gestartet zur Kontrolle. Jetzt sind sogar zwei rote Lampen an... Ich geh pennen. Keine Lust mehr, darüber nachzudenken. Ronny wird sich schon was einfallen lassen. Wenn ich mal Probleme an der Ape hatte und erst mal nicht weiter wusste - Ronny kennt jede Schraube und jedes Kabel an dem Ding. Wegen seiner Schraubererfahrung hatte er bisher immer eine Lösung und am Ende wurde immer alles gut.

Die Nacht verläuft, glaube ich, ganz ruhig. Ich jedenfalls kriege nichts mit und schlafe wie ein Murmeltier bis zum nächsten Morgen.

Immerhin habe ich heute 149 Kilometer geschafft.


Montag, 18. Mai 2015


"Nichts geht mehr"

Als ich morgens aufstehe, hat Ronny sich schon gemeldet. Da mein Handy aber ausgeschaltet war, habe ich nichts mitbekommen. Ich darf auf keinen Fall weiter fahren. Das ist jetzt nicht so unbedingt das was ich hören möchte. Ich rufe ihn zurück. Die Vermutung bestätigt sich, dass das Relais abgeschossen ist. Ein Kabelbrand, würde ich weiter fahren, wäre das Schlimmste was passieren könnte. Muss nicht, kann aber. Dieses Risiko ist mir denn doch ein bisschen zu hoch.

Dass meine geliebte Ape plötzlich in Flammen aufgehen könnte, das möchte ich natürlich nicht. Das Relais, wie es noch in meinem Modell eingebaut wurde, gibt es aber nicht mehr. Piaggio hat da nachgebessert; wohl nicht ohne Grund. Das ist zwar alles schön und gut, nützt mir jetzt vor Ort aber recht wenig. Wie soll ich hier den Kabelbaum umfrickeln, damit die Anschlüsse an den neuen Regler passen ?

Wie man es aber von einer guten Werkstatt kennt, gibt es eine Lösung. Bei einer sehr guten Werkstatt aber, für die der Kunde wirklich König ist, baut der Mechaniker mal eben seinen Regler aus seiner alten TM aus und schickt sie dem liegen gebliebenen Kunden. Und so verbleiben wir.

Ronny baut den Regler aus seiner TM aus, der baugleich ist mit meinem und schickt ihn mir über den ADAC nach England. Ich bau ihn ein und fahre weiter. Die Lösung gefällt mir. Zu Hause kann man dann alles wieder rückgängig machen und den neuen Regler mit Umbau des Kabelbaums reparieren.

Der Parkplatz, auf dem ich die Nacht verbracht habe.



Das, was ich hier in England allerdings brauche, ist eine Anschrift. Seaham, Parkplatz 7, Box 4 wird keinem was nützen. Was liegt also näher als zur nächsten Polizeistation zu fahren und dort abzuklären, ob ich deren Anschrift als vorläufige Postanschrift verwenden darf, damit ich mein Paket bekomme.

Die Station ist nur etwa einen Kilometer weg. Ich fahre hin und schell an. Ich erkläre, mit was ich unterwegs bin. Ein Blick aus dem Fenster erheitert schon mal den Blick des Beamten. Hier kennt man dieses Fahrzeug nicht, man findet es aber lustig. Und es ist ein Italiener ? Daher also das Problem ! Er versteht mich und hat Mitleid.




Selbstverständlich darf ich die Adresse der Polizeistation dazu benutzen, damit mir der ADAC das Ersatzteil schickt. Dass ich aber auf dem Kundenparkplatz die Wartezeit überbrücken möchte, damit ist er dann doch nicht einverstanden. Wenn ich denn schon nicht weiterfahren kann, weil die Gefahr zu groß ist, dass Schlimmeres passieren könnte, dann soll ich doch schließlich dort parken wo die Polizisten ihre privaten Fahrzeuge und auch die Einsatzfahrzeuge abstellen. Von diesem Service erstaunt fahre ich also bis vor die sich öffnende Schranke auf den Hof.

Lang bin ich nicht allein dort und die gesamte Polizei aus Seaham kommt nach und nach mein Vehikel anschauen. Ich werde nach dem Fahrzeug ausgefragt und soll erklären was ich damit schon alles gemacht habe. Ich erzähle von meinen Touren, wo ich überall war und wo die nächsten Ziele sein sollen. Man gibt mir Tipps was ich noch anschauen solle nach der Reparatur auf der Fahrt nach Dover und letztendlich bietet man mir an, dass ich nicht hier auf dem Hof duschen brauche. Ich kann die Duschen im Dienstgebäude nutzen und wenn ich möchte, dort auch mein Essen zubereiten. Eine Küche sei dort vorhanden.

Von so viel Freundlichkeit überwältigt, nehme ich aber nur das Nutzen der Dusche in Anspruch. Ich möchte nicht mehr als nötig den dienstlichen Ablauf stören. So brauche ich meine Kanister nicht auffüllen und spare Gas zum Erwärmen des Wassers.
 



Nachdem ich alles geklärt habe; meine vorläufige Anschrift für den ADAC, noch ein paar Telefonate mit Ronny und Pasquale, Übernachtungsstelle für die nächsten Tage, gehe ich einkaufen. Zum Einen möchte ich sehen wo ich hier außerplanmäßig gelandet bin und zum Anderen brauche ich Bölkstoff für die nächste Zeit. Die Abende können vielleicht nun etwas länger und langweiliger werden.

Gegen Abend kehre ich mit gut gefüllten Taschen zurück. Die Ration auf dem nachfolgenden Bild ist eigentlich für zwei oder drei Abende gedacht; acht Dosen Bier und eine Flasche Apfelglühwein. Der Glühwein ist sogar aus Deutschland und in deutsch und englisch beschriftet. Was in Deutschland nur einige Cent kostet, schlägt in Großbritannien gleich mit einigen Pfund ins Portemonnaie.

Ich setze mich hinten in meine Ape und leere beim Film schauen eine Dose Bier nach der anderen. Plötzlich sind sie alle weg. Der Glühwein ist aber noch da. Mehr schlecht als recht wackel ich aus dem Kasten, schmeiß den Gaskocher an, nehme den größten Topf den ich habe und erhitze direkt den kompletten Inhalt.

Als der Film zu Ende ist, sind alle Dosen und die Flasche leer - und ich voll wie ein Eimer. Hoffentlich kommt jetzt keiner der Polizisten vorbei. Das wäre ja die volle Blamage ! Erst freundlich und nett alles mit denen abgeklärt und dann sturzbesoffen wie eine Eule im Kasten liegend und nur noch röcheln und lallen. Ich beschließe mich auf die Matratze zu legen und den Rausch bis morgen auszuschlafen.



Gefahren bin ich heute einen ganzen Kilometer !


Dienstag, 19. Mai 2015

"Seaham, wo ich immer schon mal hinwollte !"

Total benommen wache ich auf. Ob ich nun geschlafen oder mich gestern Abend bewusstlos gesoffen habe, das weiß ich nicht. Jedenfalls lag ich die ganze Nacht in der Ape und der nächste Tag ist da.

Ich mache mir etwas zu essen, gehe duschen und anschließend in die Stadt.

Ein umgebauter Suzuki-Kleinbus. Engländer haben echt gute Ideen.



Das Einkaufszentrum, welches viele Geschäfte beinhaltet.



Ich latsche durch die Gegend, an den Strand, schau mir den Hafen an und kehre erst gegen späten Abend, als es schon dunkel wird, zu meiner Ape zurück. Die meisten Geschäfte haben schon geschlossen. Es ist nichts Außergewöhnliches passiert. Mein Paket ist unterwegs - per Express mit der Deutschen Post.




Mittwoch, 20. Mai 2015

"Immer noch Seaham "

Ich schlafe lang, putze die Ape, räume auf und hau mir gegen Mittag ein paar Eier in die Pfanne.



Nach dem Essen gehe ich runter an die Klippen. Die Gegend ansich ist hier sehr schön und das Wetter spielt die meiste Zeit gut mit.



Mein täglicher Weg. Hin in die Stadt...



... und wieder zurück. Manchmal laufe ich ihn paar mal am Tag.





Ich telefoniere mit dem ADAC. Man bemüht sich, kann aber nicht schneller sein als die Post. Der ADAC- Mensch am anderen Ende ist sehr freundlich und ruft mich sogar von sich aus an, wenn er etwas Neues weiß. Der Tag Zwei geht um, ohne Ersatzteil.

Donnerstag, 21. Mai 2015

"
POST - People Of Slow Transport"


Das einzige Spannende an diesem Tag sind meine Kombination aus einem Paket Fischstäbchen und Bier. Gewöhnungsbedürftig, aber es schmeckt trotzdem.



Ansonsten - nix ! Die Deutsche Post pennt, wie man es ja eigentlich von ihr kennt. Ihren Ruf, völlig überteuert zu sein bei miesen Service, kann ich nur zustimmen. Es gibt bessere und vor allem schnellere und viel günstigere Alternativen.

Meinen Tag verbringe ich hier wie alle anderen Tage. In die Stadt gehen, an den Strand. Auch wenn alles hier wirklich schön ist, ich habe es schon gesehen. Ich bin kein Typ, der es lang an einer Stelle aushält. Etwas Langweiligeres gibt es nicht als irgendwo seinen Urlaub an einer Stelle zu verbringen. Wenn ich mir vorstelle, dass manche sich 14 Tage an irgendeinem Strand in die Sonne knallen, damit sie für die Nachbarn auch schön braun sind - was für arme Gestalten. 14 Tage lang ein Leben zwischen Hotelzimmer, Hotelbar und Strand. Geht es noch verrückter ?

Ich schau mir lieber Gegenden an, reise herum. Mal hier einen Tag, mal dort zwei. Je nachdem, was geboten wird und für mich interessant ist. Dinge besichtigen, sich darüber informieren, nachlesen. Sowas ist Urlaub !

Sich tagelang das Gleiche anzuschauen ist genauso uninteressant wie den ganzen Tag mit dem Ar*** in der Couch zu sitzen und in die Flimmerkiste zu glaffen. Wobei beim Letztgenannten die Verblödung vorprogrammiert ist.




Freitag, 22. Mai 2015

Am Morgen die große Überraschung. Mein Paket ist gegen 05:00 Uhr in Großbritannien angekommen. Ich werde mein Ersatzteil also bald in der Hand halten und einbauen können.

Die nächste Überraschung, ich werde von einem Polizisten der Station Seaham beschenkt. Ich bekomme einen Einsatzhelm, eine Bobby-Mütze und ein Abzeichen, wie es dort an der Uniform getragen wird. Das ist natürlich echt der Hammer ! Ich freue mich darüber. Irgendwie hat diese Warterei nun doch noch ein schönes Ende genommen. Wir tauschen die eMail Adressen aus.







Ob wir uns noch sehen, bevor ich abfahre, ist ungewiss. Deshalb schießen wir ein paar Fotos.



Das Ersatzteil kommt gegen 10:00 Uhr. Express-Paket bei der Deutschen Post bedeutet- 4 Tage ! Express-Paket beim britischen UPS bedeutet 5 Stunden ! Welches Unternehmen pennt wohl und welches leistet etwas ? Die Frage kann sich jeder selbst beantworten...

Nachdem ich den Regler eingebaut habe, der nächste Knaller. Die Kontrollleuchte flackert immer noch. Zwar nicht mehr so stark wie vorher, sie zeigt sich aber. Gleich dreh ich am Rad ! Ronny anrufen; Puls wieder runterfahren. Der Dynastarter wird dann wohl doch einen weg bekommen haben. Die Gefahr eines Kabelbrands aber ist nicht mehr gegeben. Weiter fahren geht, wenngleich auch die Batterie nicht richtig geladen wird. Mal schauen, wie lang das nun halten wird...

10:50 Uhr: die Fahrt kann nun endlich fortgesetzt werden. Ziel ist Nottingham, rund 250 Kilometer liegen vor mir.

Mit der A 19 geht es Richtung Selby, dann Doncaster. Rauf auf die A 60 und Richtung Mansfield. Kurz nach 18:00 Uhr bin ich dann endlich in Nottingham angekommen. Die Kontrollleuchte spinnt weiterhin. Immer wieder leuchtet sie zwischendurch auf. Die Batterie wird also nicht richtig geladen. Sorgen bereitet mir das nun nicht großartig, die Gefahr des Kabelbrands ist ja nun ausgeschlossen. Ob die Energie der Batterie aber nun wirklich ausreichen wird, dass ich mit der Ape bis nach Hause fahren kann, das bezweifel ich so langsam. Zum Nachladen habe ich hier keine Möglichkeit. Ich könnte eine sogenannte "Garage" anfahren und dort nachfragen, ob ich meine Batterie ein paar Stunden an deren Ladegerät anschließen dürfte. Dazu habe ich aber nun nicht mehr wirklich Lust.

Der Klüngelsverein "Deutsche Post" hat mir mit seiner Lahmarschigkeit eh schon den kompletten Zeitplan durcheinander geworfen. Meinetwegen sollen die ihren Laden schließen. Was die sich erlauben ist weder Service noch Leistung, es ist eine Frechheit !

In Nottingham angekommen, fahre ich erst mal durch die Stadt. So besonders ist sie nicht, dass man sie unbedingt gesehen haben muss.









Ape so parken, dass ein Anschieben ohne Probleme möglich ist und schon geht es zu Fuß weiter.



Wenigstens hier kennt man die Ape. Wenn auch nur als Dekoration an der Wand eines Lokals.



In dem "Altstadtbereich" wirkt es sehr gemütlich. Die Leute sitzen bei dem Wetter draußen.



Das ist er nun, von dem man gar nicht sicher weiß, ob es ihn mal wirklich gab oder ob er nur eine Legende ist - Robin Hood.



Das "Nottingham Castle" ist geschlossen. Dort wird gerade mächtig gearbeitet. So wie es ausschaut, wird dort in den nächsten Tagen ein Konzert stattfinden.

Ich suche sowieso lieber den ältesten Pub in England auf, den
"Ye olde trip to Jerusalem". Der interessiert mich eh viel mehr als das Schloss.



Vor Kurzem noch im Internet über diesen urigen Pub gelesen - und nun steh ich hier mittendrin !



Innen - einmalig. Alles total alt und wirklich urig.



Der Pub hat sehr viele, zum Teil recht kleine Räume. Mal geht man Stufen runter, mal rauf. Ein totaler Irrgarten hier.





Die meisten Leute aber sitzen draußen. Es ist ganz schön warm.



Wenn ich schon mal hier bin, dann muss es auch ein Guinness sein.




Nach dem Bier, noch ein bisschen durch die Stadt laufen. Was im Internet aussah, als ob es alles irgendwo im Grünen außerhalb liege; das Castle, der älteste sowie die anderen Pubs, das Museum - alles liegt eng beieinander mitten in der Stadt. Viel zu laufen für die interessanten Sehenswürdigkeiten braucht man hier also nicht.

Nachdem ich genug gesehen habe, fahre ich weiter. Viele Leute haben mir geraten, unbedingt Oxford anzuschauen. Es soll eine wunderschöne Stadt sein. Ich werde diesem Rat folgen. Bis dort sind es ca. 180 Kilometer. Solang es also noch hell ist, werde ich fahren. Mit Licht fahren möchte ich vermeiden, um die Batterie etwas zu schonen.

Nach knapp 60 Kilometern komme ich in das Dorf Welford. In einer Seitenstraße baue ich mein Lager auf. Kurz noch was essen, ein Döschen Bier und schon geht es in die Senkrechte.

Insgesamt bin ich heute 317 Kilometer gefahren.


Samstag, 23. Mai 2015

"Oxford"

Um 07:00 Uhr beginnt der Tag. Die Übernachtungsstelle war sehr ruhig. Ich habe bestens geschlafen.



Bis nach Dover sind es knapp 260 Kilometer. Ich hoffe, dass die Batterie das alles problemlos mitmacht.

Ich bin gar nicht lang unterwegs, da sehe ich ein Hinweisschild zur Rennstrecke von Silverstone. Das habe ich bei der Planung irgendwie total vergessen. Wenn ich aber schon direkt dran vorbeifahre, dann kann ich sie mir auch kurz anschauen.



Es findet grad ein Trainingslauf statt. Ich verbleibe hier etwa eine halbe Stunde.







Von Silverstone geht es direkt nach Oxford.



Der Tipp, diese Stadt unbedingt zu besuchen, ist ein guter. Die Gebäude sehen sehr interessant aus, es ist alles äußerst sauber und die Autos müssen vor dem Stadtkern abgestellt werden. In die Innenstadt darf man nicht rein, mit Ausnahme der Busse und Taxen.





Interessanter Job. In einem peinlichen Kostüm den ganzen Tag auf einem Campingstuhl verbringen und dabei ein Werbeschild fest zu halten.



Ich erkunde die Stadt zu Fuß.











Auch hier in Oxford gibt es diese typischen Markthallen, in denen man fast alles an Waren bekommt.





Auf einem Markt hole ich mir etwas zu essen, setze mich auf eine Bank...



... und habe ruckzuck ein paar kleine Schmarotzer da.



Einige Stunden verbringe ich in Oxford, bevor es weiter geht nach Dover. Etwa 220 Kilometer sind es nun bis zur Fähre.





Ich fahre durch schöne kleine Städte und Dörfer...



... und durch viel bewaldetes Gebiet. Die Option "kürzeste Strecke" im Navi ist genau richtig, um durch solch traumhafte Gegenden zu kommen. Um allerdings große und miefige Großstädte zu umfahren, sollte man das Navi umstellen.



Denkt man nicht daran, dann wird man weiter auf der kürzesten Strecke geleitet. Die kann dann auch schon mal durch große Städte gehen. So lande ich also das zweite Mal in London. Umfahren wäre angenehmer gewesen. Was hier heute ein Verkehr herrscht, das ist kaum zu glauben.

Ein Gedränge, Geschiebe, Gehupe ohne Ende. Auch wenn London mit eine der teuersten Städte der Welt ist was das Wohnen und gesamte Leben hier betrifft - ich möchte nicht freiwillig hier wohnen. Da lobe ich mir doch lieber das Grün vom Land.



In Straßenschläuchen wie diesem stehen die Abgase regelrecht.



Und schon wieder am Big Ben vorbei...







Für 10 Kilometer durch London benötige ich etwas über zwei Stunden. Ich bin froh, als ich da endlich durch bin und es dann nur noch Richtung Dover geht. Diese Fahrt allerdings ist der reinste Horror-Trip.

So langsam scheint die Batterie doch ihren Geist aufzugeben. Die rote Kontrollleuchte flackert immer wieder auf. Die Kontrollleuchte für die Blinker wird allmählich auch dunkler. Wenn schon die Blinker und Bremsleuchten nicht mehr funktionieren, dann wird es aber heikel werden.

In einer kleinen Stadt, deren Namen ich mir nicht notiert habe, sehe ich plötzlich mehrere Polizeihubschrauber über mir. Von überall kommen Streifen- und Zivilwagen angefahren.
Was so eine defekte Lichtmaschine doch alles verursachen kann !

Mir ist jedenfalls nicht grad wohl und ich gebe meiner Ape die Sporen. Irgendwas muss ja hier passiert sein. Mit meinem Bienchen möchte ich da jetzt nicht unbedingt zwischen kommen und hau ab.

Als ich außer Schussweite bin, lasse ich es wieder gemütlich angehen und genieße die Landschaft. Das Problem ist, dass es schon später Abend ist und morgen meine Fähre geht. Ich muss aber in Dover ankommen, ansonsten habe ich arge Probleme mit dem Rüberkommen.

Es fängt langsam an zu dämmern. Schalte ich nun das Licht ein, dann kann die Fahrt ganz plötzlich zu Ende sein. Ich belasse es also zunächst bei meinen rückwärtigen Blitzern. Die Dinger haben LED's und brauchen nicht viel Strom.

Es wird immer dunkler und ich habe noch etwa 80 Kilometer vor mir. Die entgegen kommenden Autofahrer blinken schon auf. Ich weiß selbst, dass ich ohne Licht fahre !

Als es dann völlig dunkel ist, bin ich von vorn gar nicht mehr erkennbar. Die mich Überholenden hupen zwischenzeitlich auch schon beim Vorbeifahren. Von hinten bin ich zwar durch die reflektierenden Streifen und die Blitzer trotzdem erkennbar, von vorn aber absolut gar nicht. Schwarze Ape ohne Licht bei absoluter Dunkelheit. Würde vom Gegenverkehr mal einer überholen, ich wäre für ihn unsichtbar und wir würden uns frontal treffen. Jede Dose im Aldi-Regal schneidet beim Crashtest besser ab als eine Ape. Das wär's dann...

Und plötzlich habe ich einen Geistesblitz ! Ich kann meine Ape von vorn sichtbar machen ohne meine Batterie zu beanspruchen. Ich habe doch im Kasten eine Arbeitsleuchte. Die hatte ich vor Kurzem angeschafft für den Fall, dass ich unterwegs im Dunkeln mal anderweitig Licht brauche. Das Teil leuchtet drei Stunden. Der Akku ist voll, weil ich sie bisher auf der Tour noch nicht brauchte. Rechts ran, Lampe aus dem Kasten holen und auf das Armaturenbrett stellen. Ich hätte auch früher drauf kommen können.

Wie schön hell das doch nun vorn ist ! Das ist so hell, dass nicht nur der Gegenverkehr nichts mehr sieht; auch ich werde durch das gegen die Scheibe strahlende Licht innen so geblendet, dass ich vor mir kaum was erkennen kann. Egal, es wird schon irgendwie klappen. Das Aufblinken des Gegenverkehrs gilt nun meinem grellen Licht. Besser als gar nicht gesehen zu werden.

Es herrscht absolute Dunkelheit, als sich von hinten zwei Streifenwagen mit Sirenen melden. Als die rechts an mir vorbei düsen, habe ich in dem Moment das Gefühl zu parken. Heute ist aber ganz schön was los. Und ich mit meiner Tarn-Ape mittendrin. Einen besseren Tag hätte ich mir dafür gar nicht aussuchen können.

Gemütlich mit rund 45 km/h geht es immer weiter in Richtung Dover. Noch knapp 60 Kilometer und ich bin am Ziel. Ich fahre über eine Kuppe und traue dann meinen Augen nicht. Die gesamte Straße besteht aus Blaulicht. Unmengen an Streifenwagen stehen da kreuz und quer. Das war's dann wohl. Nach einem riesigen Anschiss wird die Fahrt nun hier spätestens zu Ende sein.

Ein Land Rover der Polizei steht da stark unfallbeschädigt und ein kleines Auto ist gegen einen Baum geprallt. Aha, ein Unfall also. Wird also gleich weiter gehen - hoffentlich. Alles wird an der Unfallstelle vorbeigeleitet, ich nicht. Mitten auf der Straße steht eine Polizistin, aber was für eine ! Trotz meiner nun peinlichen Situation hinsichtlich meiner Beleuchtung muss ich grinsen. Ich frage mich, wie diese Presswurst in eine Uniform passen kann. Oder ist das Ganze doch nur ein Ganzkörper-Tattoo ? Alter Schwede, was gibt die für ein Bild ab ! Kopf wie eine Bulldogge, ein Hals ist gar nicht vorhanden. Dieses Bulldoggengesicht sitzt auf einem unförmigen Körper, der nur aus Querrollen besteht. Allein in der Hose können vier normale Menschen übernachten. Und dann ihr Blick ! Wenn die gleich an meine Ape kommt und anfängt mir eine Predigt zu halten; ich glaube, dann kann ich nicht mehr vor lachen ! Oder die frisst mich direkt auf !

Madame Presswurst aber kommt gar nicht. Sie lenkt den Verkehr an der Unfallstelle vorbei. Stattdessen kommt ein Polizist und bewundert meine Konstruktion. Er ist einer von denen, die mich grad überholt haben. Nicht nur, dass die hier seltene Ape jetzt starkes Interesse bei seinen Kollegen erweckt, auch die Beleuchtung ist sehr sehenswert. Während die Dicke weitermacht, habe ich nun drei Polizisten an meiner Ape stehen, denen ich die Situation erkläre mit dem Hinweis, dass ich zwar weiß im Moment alles falsch zu machen was man falsch machen kann und ich wohl gegen jedes britische Gesetz verstoße, was den Straßenverkehr betrifft - es geht aber nicht anders. Ich muss meine Fähre bekommen !

Dann passiert etwas, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe. Ich bekomme einen Berechtigungsschein ausgehändigt der besagt, dass ich genau so weiter fahren darf. Hinten nur die Blitzer, vorn meine Arbeitsleuchte, ansonsten null Licht ! Ich bin baff. In Deutschland dürfte man so was niemals erlauben.

Sollte ich angehalten werden, brauche ich nur diesen Schein vorzuzeigen um weiterfahren zu dürfen. Für eventuelle Rückfragen steht seine Handynummer drauf.

Das Gespräch geht ganz locker weiter und ich frage nach der Ursache des Unfalls. Ein flüchtiger Verbrecher wurde bei einer wilden Verfolgungsfahrt von der Straße gerammt, weil es keine anderen Mittel gab ihn zu stoppen. Er beachtete weder rote Ampeln noch die Geschwindigkeit in der Stadt, überholte in Kurven trotz Gegenverkehr und tat ansonsten alles um zu entkommen. Nur durch viel Glück sind durch diesen Spinner keine anderen Menschen zu Schaden gekommen.

Mir wird ganz anders. Ein paar Kilometer noch und dieser Kriminelle hätte vielleicht mich von der Straße gefegt. Gott sei Dank wurde er rechtzeitig gerammt und gestoppt. Was mit ihm nun geschehen ist, weil er gegen einen Baum geknallt ist, danach frage ich nicht. Es ist mir eigentlich egal.

Wir verabschieden uns freundlich. Ich bekomme noch weiter eine gute Fahrt und viel Glück gewünscht während die Bulldogge mit offenem Mund feststellen muss, dass ich genau so weiter fahre wie ich angekommen bin.

Das Glück ist auf meiner Seite und ich komme unbeschadet in Dover an. Auf Grund einer riesigen Baustelle am Fährhafen, die bei der Dunkelheit so gut beleuchtet ist, dass man gar nichts erkennt, lande ich nicht auf dem Parkplatz auf den ich hinmöchte, sondern direkt in der Zufahrt zu den Fähren. Von hier aus gibt es aber keinen Weg zurück. Hier will ich aber noch gar nicht hin...

Ich schmeiß den Rückwärtsgang rein und möchte zurück, was aber eigentlich verboten ist. Irgendwie klappt heute aber auch gar nichts ! Weit komme ich nicht, da ertönt von vorn schon ein Pfiff - Polizei ! Bald kenne ich die alle hier in England. Gleich kommt bestimmt die nächste Predigt. Ich fahre also vor und werde direkt auf meine futuristische Beleuchtung sowie das unerlaubte rückwärts Fahren hingewiesen.

Die Beleuchtung erweckt großen Unmut, ich bleibe aber locker.

"Was ist denn das für eine Beleuchtung ?"
"Irgendwie gar keine."
"Sie können doch so nicht hier nachts durch die Gegend fahren."
"Doch."
"Nein."
"Doch"
"Das ist verboten."
"Ich weiß. Ich darf aber."
"Das dürfen Sie nicht."
"Ich darf wohl."
"Nein, dürfen Sie nicht."

Nun wird es mir zu bunt. Ich hole meinen Zettel raus und übergebe ihn.

"Oh. Sie dürfen ja doch."
"Sag ich doch !"

Dass ich nun verbotenerweise rückwärts gefahren bin, steht nicht mehr zur Debatte. Ich werde von einem Streifenwagen durch zig Nebenwege und sich öffnende Schranken zum Parkplatz eskortiert. So langsam gefällt es mir ständig angehalten zu werden.

Auf dem Parkplatz angekommen, werde ich von einigen Rumänen empfangen, die an ihren Autos stehen oder drin sitzen und werde beobachtet. Normalerweise lege ich so einige Gegenstände vorn in die Kabine und hau mich dann in den Kasten zum Schlafen. Ich entschließe mich dazu, dass ich das heute nicht machen werde...


Sonntag, 24. Mai 2015

Es ist saukalt und der Wind bläst vom Meer. Ich sitze vorn in der Ape mit einer Decke, friere und schlafe wirklich eine Stunde tief ein. Zwischenzeitlich sind noch ein paar Autos dazu gekommen. Ich könnte also die Ape beruhigt hier stehen lassen, um mal ein wenig durch die Gegend zu laufen und zu checken, wann der Terminal öffnet. 

In dem Gebäude angekommen, liegt links auf einer Bank ein Schwarzer und schnarcht was das Zeug hält. Geradeaus sind ebenfalls eine Schwarze, die die ganze Zeit redet. Hinten weiter ein Inder, der singt. Ich schau mich ein wenig um und stelle fest, dass die Öffnungszeit um 08:00 Uhr ist. Ich habe also noch einige Stunden Zeit.

Ein paar Stühle neben der Schwarzen nehme ich Platz. Sie redet immer noch, ich höre aber gar nicht zu. Ich denke zunächst, dass sie über ein Headset mit jemanden telefoniert. Dann aber sehe ich, dass sie eine leicht geöffnete Tüte auf dem Tisch vor sich liegen hat. Der Inhalt sind ein Portemonnaie und eine Flasche Johnny Walker. Nun weiß ich mit wem sie redet...

Da ich ihrem Gespräch nun doch ein wenig zuhöre stelle ich fest, dass sich der Inhalt zum Teil wiederholt und der Zusammenhang gar keinen Sinn ergibt. Die gute Dame ist voll wie ein Eimer. Der Schnarcher gibt Vollgas, der Sänger trällert sich in Trance und ich sitze da mittendrin. Ich komme mir vor wie in einer Anstalt, umgeben von Halbgescheiten.

Der Schnappschnarcher dreht sich um und verliert fast sein Portemonnaie. Ich entschließe mich, ihn zu wecken und ihm das zu sagen. Ich schubse ihn ein wenig an und er steht auf wie eine Rakete. Er bedankt sich und fragt, ob der Bus schon da war. Ich verneine das und bin mir auch zunächst gar nicht sicher, ob er eben geträumt hat oder ob hier nachts wirklich Busse fahren. Er erklärt, dass er schon drei Tage hier auf den Bus wartet, weil man nicht zu Fuß auf die Fähre darf. Ich rate ihm, dann mal wach zu bleiben. Ansonsten wird er hier noch ein paar Tage verbringen müssen.

Während Frau Walker ihre Geschichte erzählt und der indische Gesang die ganze Halle füllt, setzt sich der Schnarcher hin und fällt nach wenigen Minuten wieder um auf die Bank, um sich noch mächtiger ins Zeug zu legen als vorher. Da es hier in der Halle aber warm ist, beschließe ich trotz dieser seltsamen Figuren zu bleiben. Irgendwie amüsieren die drei mich.

Plötzlich fährt ein Bus vor. Ich kann es erst gar nicht glauben. Die Türen öffnen sich vorn, der Schnarcher bleibt liegen. Ich bleibe sitzen und sage nichts. Mal schauen, was jetzt passiert. Wie erwartet - nichts ! Der Bus fährt und der Schnarcher bekommt nichts mit. Es werden wohl doch ein paar Tage mehr werden hier.

Zwischendurch verlasse ich die Halle und schau nach der Ape. Es ist noch alles ok. Ich laufe ein wenig umher und lande wieder in der Halle. Die drei Figuren sind noch da. Ich setze mich kaum hin, da fährt der nächste Bus vor. Diesmal aber rufe ich dem Schnarcher zu, dass ein Bus vor der Tür steht. Blitzschnell steht er auf und rennt in Richtung Tür. Normalerweise öffnen diese sich hier automatisch. Er erwischt aber die Feuertür. Die öffnet sich nicht und er rennt in vollem Lauf dagegen. Ich kann mich kaum halten vor Lachen, wenngleich ich das auch leise machen muss, weil dieser Unglücksrabe so dagegen gerannt ist mit seinem Schnarchschädel, dass er sich bestimmt verletzt hat. Anstatt einfach eine der nächsten drei Türen zu nehmen, reißt und hebelt er an den Griffen rum wie ein Wilder. Schließlich öffnet sie sich doch und er stolpert irgendwie halb benommen von seinem kleinen Unglück zum Bus und spricht den Busfahrer an. Es ist der falsche Bus ....

Je länger ich in dieser Halle verbringe, desto mehr glaube ich, dass die Welt hier nur aus Bekloppten besteht. Ich geh wieder raus an die frische Luft.

Die Sonne geht auf. Drin die etwas Anderen, draußen ich.



Meine Ape auf dem Parkplatz. Im Hintergrund die Kreidefelsen.



Der Weg vom Parkplatz zu dem Terminal der Verrückten.



Ich koche einen Kaffee und verbleibe nun an der Ape. Es ist ja noch Zeit bis 08:00 Uhr. Müde bin ich nicht. Die Ungewissheit, ob die Ape bis zu Hause halten wird, die Kälte und die Gedanken an das grad Erlebte worüber ich immer noch lachen muss, halten mich wach.

Pünktlich um 08:00 Uhr steh ich am Schalter und möchte meine 15 Euro bezahlen für die Umbuchung. Das geht aber nicht hier, sondern nur an dem Schalter des Unternehmens bei dem ich die Fahrkarte gekauft habe. Die haben ihren Schalter aber hinter der Zollkontrolle. Wenn ich da bin, komme ich von dort aber nicht wieder weg. Ich beschließe also, dort erst mal nicht hinzufahren. Bis zur Abfahrt der Fähre ist noch Zeit. Die kann ich besser in Dover selbst verbringen.

Die Batterie der Ape röchelt aus den letzten Fugen. Auf dem direkten Weg von Dunkerque nach Hause sind es etwa 370 Kilometer - mittlerweile ohne funktionierende Blinker und Bremslicht. Das ist zu gefährlich. Da könnte nicht nur, da wird sogar etwas passieren. Da ich hier nirgendwo die Batterie für ein paar Stunden nachladen kann, beschließe ich eine neue zu kaufen. Das ist in Großbritannien ja gar kein Problem. Auch wenn es Sonntag ist, die Geschäfte haben geöffnet. Ich suche also im Internet nach einer Garage in Dover und werde fündig. Sie ist fast um die Ecke. 

Die Ape startet nicht. Die Batterie ist so schwach, dass der Anlasser keine einzige Umdrehung macht. Wie soll ich das denn regeln, wenn ich in Dunkerque von der Fähre fahren muss ?

Anschieben ist angesagt. Ich suche das Geschäft auf. Der Laden öffnet um 10:00 Uhr, ich habe also noch weit über eine Stunde Zeit. Frühstücken und duschen, so verbringe ich das Überbrücken der Zeit. Es ist kurz nach 09:00 Uhr, als der erste Mitarbeiter des Ladens erscheint. Recht früh. Ich frage ihn nach einer Batterie. Er erklärt, dass er eben schnell das gesamte System hoch fährt und dann eine Batterie für mich raussuchen wird. Die Frage, ob sie vollgeladen ist beim Verkauf, bejaht er.

Obwohl es noch fast eine Stunde bis zur Öffnung des Geschäfts ist, stehe ich im Laden und werde bedient. Nicht mürrisch, sondern total freundlich. Wenn das mal kein Service ist ! Mit einem Schmunzeln erklärt mir der Verkäufer dann, dass ich auch drei Jahre Garantie auf die Batterie habe, falls denn was dran sein sollte. Wir beide lachen darüber.

Die Ape funktioniert wieder bestens mit der neuen Batterie. Die Kontrollleuchte flackert zwar, aber die Energie des neuen Kraftwerks wird mich sicher nach Hause geleiten. Blinker und Bremsleuchten funktionieren einwandfrei.



Nach Durchfahren des Zolls und Bezahlen der Umbuchungsgebühr heißt es zunächst warten...



... und dann geht es ab auf die Fähre.



Sie legt ab und eine wunderschöne Reise, auch wenn sie durch eine Panne begleitet wurde, geht nun leider dem Ende zu. Ein wenig schwermütig schaue ich vom Deck auf Großbritannien, als die Fähre sich immer weiter entfernt. Viele schöne Eindrücke dieses Landes mit den tollen Menschen und einer traumhaften Landschaft werden noch sehr lang im Kopf umherschwirren. Ich werde garantiert nicht das letzte Mal dort gewesen sein.

Ob nun mit der Ape oder anders, es war nicht mein letzter Besuch dieser wunderschönen Insel.



Auf der Fähre nehme ich eine Stärkung zu mir. Bis heute Abend wird es nicht mehr viel geben.



Nach etwa zwei Stunden ist Dunkerque in Sichtweite. Das Festland hat mich wieder.



Die Rückfahrt verläuft pannenfrei. Die Kontrollleuchte flackert zwar und die Batterie wird somit langsam aber sicher entladen; sie hat aber genug Energie, dass ich sicher zu Hause ankomme.

Der Tachostand nach Ende der Tour. Ich habe insgesamt 4.666 Kilometer zurückgelegt. Das ist die bisher längste Fahrt, die ich innerhalb von drei Wochen mit meiner kleinen Ape gemacht habe.



Großbritannien war nun das zwölfte Land in dem ich mit der Ape war. Das Dreizehnte folgt im nächsten Jahr.

Im Oktober diesen Jahres allerdings werde ich mir zunächst einen anderen Wunsch erfüllen. Von den sechszehn Bundesländern Deutschlands war ich bisher in fünfzehn. Es fehlt noch Mecklenburg-Vorpommern. Dieses wunderschöne Bundesland werde ich dann in einer knapp zweiwöchigen Tour durchkämmen.

Der Anlasser hat übrigens wirklich einen Schlag wegbekommen bei dem Kurzschluss. Inzwischen ist alles repariert und die Ape läuft wieder einwandfrei. Die neueste Version des Relais ist verbaut mit neuen Anschlüssen am umgebauten Kabelbaum und ein neuer Dynastarter. Geeinigt habe ich mich mit meinem Händler allerbestens.

Nicht nur Briten haben einen tollen Service. Auch ein Ape-Händler - wenn er denn aus Krefeld ist !